Szepsy – Tokaji Furmint Szent Tamás 2005 (sorry für schlechte Bildqualität, lag am Smartphone und am Licht)

Bei großen Namen ist bekanntlich die Erwartungshaltung auch entsprechend. Wirklich unbefangen könnte man einem solchen Wein, wie dem reinsortigen Furmint aus der Lage Szent Tamás, der teuerste seiner Art in Tokaj und auf der Welt nur dann begegnen, wenn man ihn blind, unwissend ins Glas bekäme. Dem war hier so nicht und nach der kurzen Einleitung ist gewiss auch schon klar, dass sich die Begeisterung über den 2005er in Grenzen hielt.

Dann wiederum zuckt es in einem, prüft man, vergewissert man sich lieber nochmals und nochmals, um ja nicht darüber zu stolpern, man heische vielleicht gar nach einer reißerischen Notiz, die gegen den Strom schwimmt. Und letztlich geht es hier auch nicht darum, diesen einen Szent Tamás schlecht zu machen. Zweifelsohne kein schlechter Wein, ganz und gar nicht. Nur eben nicht beigeisternd, nicht groß, nicht beeindruckend – und leider auch gewiss nicht knapp 45 EUR wert.

Noch ein Einschub: ich selbst habe tendenziell ein Problem mit Weißweinen, die den biologischen Säureabbau durchlaufen haben. Das gilt allgemein, aber umso mehr, wenn es voll und sehr bewusst durchgezogen wird. So wie István Szepsy es macht. Die Stilistik ist nicht wirklich mein Fall, das gilt ganz besonders für einen Furmint, der BSA hinter sich hat. Denn Furmint an sich strotzt nicht wirklich vor Frucht. Und diese und auch recht viel Frische wird ihm durch die malolaktische Gärung genommen, bzw. maßgeblich strukturell verändert. Dennoch, trotz dieser subjektiven Präferenz „Abneigung“, aber das ist schon ein zu starker Begriff, versucht man dennoch zu abstrahieren und so einem wie dem Szent Tamás offen zu begegnen. Schließlich hat diese philosophisch-stilistische Ansatz von Szepsy ganz klar seine Daseinsbereichtigung und zu absolut bedeutenden Weinen geführt.

Allein, dem 2005er fehlt es am Ende doch an Komplexität, an Spannung, an Frische. Sattes, dunkles Strohgelb im Glas. In der Nase über Nacht im halboffenen Fenster angetrocknete Schalen von Äpfeln- und Birnen, sehr deutlich Feuerstein, etwas animalische Noten, auch leicht schweflig. Am Gaumen ausgesprochen mineralisch, fast gar plastisch werdend, wie zum reinbeißen. Matt wirkende Frucht aus gefrorenem Fallobst, abermals Äpfel und Birnen, schön integrierte, vielleicht ein klein wenig zu sehr im Hintergund stehende Säuren, gedampftes Wokgemüse, schweißig wirkend, weich, nicht allzu füllig, gegen Ende mit nochmals zunehmender Mineralität auch Würze gewinnend. Doch etwas kraft und drucklos, diffus. Mittellanger Abgang.

Wein: Furmint Szent Tamás 2005
Weingut, Ort: Szepsy István, Mád
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 13,0% Vol.
Preis: 45 EUR (12.500 Ft) – selbstredend nicht mehr zu kriegen
Internet: szepsy.hu

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