Bortársaság, die “Weingesellschaft”, und damit einer der größten Einzel- und Großhändler Ungarns feiert ihren 18 Geburtstag. Im Lande gibt es mit Abstand keinen Händler, der so früh so professionell (nach westlichen Standards) seine Ladengeschäfte und auch seinen sonstigen Außenauftritt durchgestylt hat, wie Bortársaság. Allein dafür muss man bei mancher Kritik, die es anzubringen gäbe, hier und jetzt erst einmal dankbar sein.
Kritik, negative, kann und soll aber vorgebracht werden angesichts des Weines, der anlässlich der “Volljährigkeit” von Bortársaság aufgelegt wurde. Eine rote Cuvée aus Szekszárd. Wer dahinter steckt, den Wein verbrochen hat, bliebt ein Geheimnis. Und untrinkbar oder unsäglich ist er ja auch nicht, nein. Nur eben doch in eine Richtung weisend, die nicht gut ist, die man ganz langsam aber sicher hinter sich wähnte. Ich zumindest, in meinem wie auch immer gearteten Eifer und vermeintlichen Naivität oder einem Glauben an das perspektivisch Bessere. Das alles ohne Not von Bortársaság, versteht sich. Aber im “worst case” eben Programm, also gezielte Absicht. Dass man einem da einen fett-dumpfen Alkohol-Donnergott auftischt.
Es sind also nicht die Details, sondern die klar ersichtliche Stilistik, für die der Geburtstagswein Pate steht und die einem sauer aufstößt – zumindest, wenn man es aus der Außenperspektive gut meint mit dem ungarischen Wein an sich. Sauer nicht insofern, als dass die Säuren das Problem wären. Ganz und gar nicht. Es ist die Überreife der Trauben und alle damit zusammenhängenden Probleme.
Zerkochte, hölzern wirkende dunkelrote Frucht in der Nase. Dann auch etwas Laub, Tabak, Metallspäne, getrocknete Brombeeren. Am Gaumen mit eher verhaltenen Säuren, auch hier eine zerkocht-marmeladig-sirupartige Frucht aus Zwetschgen, schwarzen Kirschen und Brombeeren. Die Frische fehlt hier, die Beeren waren wohl jenseits der physiologischen Reife, das hinterlässt einen matten, gar etwas schalen Eindruck. Wie solls auch anders sein. Immerhin drückt der heftig-deftige Alkohol nicht so vehement nach außen durch, wie man annehmen konnte. Ist der Wein trinkbar, aber eben nicht mit wilich viel Freude. Es maneglt an Eleganz, Klarheit – und Frische. Zum Ende wird er spürbar, nimmt die Frucht Fahrt auf in eine lästig anbiedernd süßliche Richtung. Was zurück bleibt ist der Eindruck, dass man es mit einer letztlich strukturlosen marmeladig-dicklichen Masse zu tun hatte, die matt würzig-herb und mit süßlich-stumpfer dunkelrot-bräunlicher Frucht einen etwas ratlos, gar ein klein wenig verzweifelt zurück lässt. Allein, vermutlich. Denn der Wein war binnen Kürze ausverkauft. Vermutlich kam er gar gut an, so wie er war, ist. Naja.
Sein Alkoholgehalt lag bei 15% Vol. Gekostet hat er 1.800 Forint, also 6 EUR.
Tags: Bortársaság · Rotwein · Szekszárd