Es lohnt sich bisweilen , einem Kollegen “nachzutrinken”. Denn das ist zweifelsohne ein schöner Welschriesling, der da vom Szt. György hegy, jenem Vulkan”block”, Zeugenberg am Nordwestufer des Balaton stammt. Der ewiglange Name verwirrt, schreckt ab. Übersetzt meint er lediglich, dass es der persönliche Liebling (Személyes kedvenc) des Weinhändlers Radosevics Radovan (radovin.hu) ist, der da und genau aus diesem Grund mit eigenem Etikett aufwartet. Das hebt sich optisch, kommt sehr modern rüber und man kann es allenfalls als etwas zu verspielt bezeichnen, wie da mit den Farben und Fonts gespielt wurde. Csaba Török hat den Inhalt zu verantworten, im Hintergund steht das Mikroweingut 2HA.
Etwas zu verspielt, das Etikett? Verspielt in Anbetracht des Inhaltes, des Welschrieslings der für knapp 7 EUR deutlich mehr bietet, als einen easy-going Alltagswein – zumindest könnte das Etikett dies suggerieren. Denn im Glas zeigt er sich smart, kommt mit der nötigen Spannung daher, die ihn von einem stinknormalen Alltagswein positiv abhebt. Mittleres Goldgelb im Glas, auch leicht grünlich und zu den Rändern hin Zitronengelb werdend. In der Nase Stroh und Ahoi-Brause, die später dann in gesetztere Traubenzucker-Gestalt übergeht, mit Apfel, kaltem Feuerstein, Vanille und vor allem vegetabilen Noten fast schon gediegen und in jedem Falle interessant wirkt.
Am Gaumen anfangs mit recht kräftigen Säuren kommend. Die erscheinen dann auch noch leicht grünlich-trübe. Der Jahrgang macht’s möglich. Daneben fühlt man sich auch ein wenig an Kovászos uborka erinnert (jene speziell eingelegten Gurken die nichts mit den in Deutschland bekannten sauren Gurken zu tun haben und im ungarischen Sommer in gar nicht mal so wenigen Haushalten in der Sonne vor sich hingären. Auch wenn es sich nicht so anhört: lecker!). Etwas außergewöhnlich aber durchaus ansprechend. Das ist wenn man so will auch der Link zu den vegetabilen Note in der Nase. An der Luft werden dann nicht nur die Säuren, sondern auch diese anfänglich dominierenden vegetabilen Noten geschliffen. Und dadurch eine Wandlung eingeleitet, die nachhaltig bleibt und einem einen Welschriesling mit Aromen beschert, der ein leichtes und doch streng wirkendes Regiment führt. Mit straffen, geklärten Säuren die das gesamtpaket sehr trocken transportieren, einer hellgelben Frucht mit Zitronenschalen, Kräuteraromen und einer steinig-flechtenartigen Mineralität, die ganz dezent im Hintergund mitläuft. Das geht sich alles gut an und macht auch am zweiten Tag noch Spaß.
Wein: Személyes Kedvenc Szent György-hegyi Olaszrizling 2010
Weingut, Ort: Csaba Török / 2HA Szőlőbirtok és Pincészet, Szent György-hegy
Rebsorte/n: Olaszrizling (Welschriesling)
Alkoholgehalt: 13,0% Vol.
Preis: 6,90 EUR (1890 Ft)
Internet: 2ha.hu
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