Jásdi Pince - Csopaki Rizling 2010

Ich kann nicht anders, ich muss jetzt ein wenig gemein und wohl ungerecht sein.
(Asche vorab auf mein Haupt, auf dass ich mich vielleicht irgendwann mal wieder in Csopak werde blicken lassen können…)
Und also los:

Denn dann ist man auch noch stolz darauf, ihn “Csopaki Rizling” zu nennen. Brüstet sich auf dem Rücketikett damit, dass der Wein auf einfacher Welschriesling- und eben nicht echter Riesling-Basis zwar auch andernorts erzeugt wird. Dass er aber nur von hier so heißen darf, Csopaki Rizling. Und dass er keinem andern gleicht.

Etwas einzigartiges also. In gewisser Weise trifft das natürlich für jeden Wein zu. Und doch wird mit indirektem Verweis auf die lokale Tradition in wenigen Worten recht hoch gestapelt. Hier geht es um den Einstiegswein, den Alltags-”Riesling” vom Balaton-Nordufer, aus Csopak. Von einem der bekanntesten Erzeuger, von Jásdi. Dessen derzeitiges Facebook-Bild wie eine Hommage an den modernen Klassiker ausieht, jenes Porträtfoto von seiner Riesling-Exzellenz, von Egon Müller, von, wenn ich es richtig weiß, dem Wein-Fotografen Andreas Durst.

Quizfrage: wer ist wer? (Copyright, Foto links: Andreas Durst, Quelle, Foto rechts: facebook-Seite von Jásdi Vinotéka-Borbár)

Hier, der deutsche, weltweit bekannte Spitzen-Riesling-Erzeuger mit würdiger, geradezu adliger amutender Gestalt und Ausstrahlung. Da, der gute Herr Jásdi aus Csopak, mit… Hier, Rieslinge-Weine, die Weltruf genießen und Spitzenpreise erzielen. Da, der einfache Alltags-Namesklau-”Riesling”, der Welschriesling eben.

Doch, endlich wieder nüchtern und sachlich: Helles bis mittleres Zitronengelb. Gelbe Äpfel- und Traubenfrucht in der eher kühlen Nase. Am Gaumen mit den für Olaszrizling typischen eher kräftig ausfallenden Säuren, hellgelber bis grünlicher Frucht, leicht, klar, transparent wirkend mit feiner Bitterkeit. Kurz, knapp, spritzig. Gut trinkbarer Alltagswein für den Sommer, gerne auch als Fröcss-Grundlage.

Wein: Csopaki Rizling 2010
Weingut, Ort: Jásdi Pince, Csopak
Rebsorte/n: Olaszrizling (Welschriesling)
Alkoholgehalt: 12,0% Vol.
Preis: 5,20 EUR (1.520 Ft)
Internet: jasdipince.hu

P.S. präventiv eine Klarstellung von mir, dem Feigling: klar, die Chance, dass Herr Jásdi oder jemand aus seinem Umfeld bewusst versucht hat,  die Vorlage nachzustellen, ist minimal. Und persönlich habe ich selbstverständlich gar nichts gegen ihn oder seine Weine, um Gottes Willen. Einzig die Rizling-Namensgebungs-Verdummung, Tradition hin oder her, macht mich doch jedes Mal wütend. Und da sei ganz nebenbei ein solcher, nicht wirklich ernst gemeinter Seitenhieb doch erlaubt…

7 Antworten

  1. “Tradition hin oder her, macht mich doch jedes Mal wütend.”

    No, you shouldn’t be ‘wütend’ because in Hungary

    Rizling = Olaszrizling (Welschriesling [D]),
    Rajnai Rizling = Rajnai Rizling (Riesling [D], Rheinriesling [D]).

    Yes, it can be confusing for foreigners but no winemaker wants anyone let down (when it’s Rajnai Rizling (Rheinriesling) – I mean 100% Rajnai Rizling – they never omit ‘Rajnai’ from the label).

    (Sorry for using English.)

    • Das ist mir, lieber wine geek, völlig klar, schließlich schreibe ich seit über 3 jahren über ungarische Weine. Sorry, ich will nicht überheblich klingen. Aber über diesen Erklärungs-Stand bin ich logischerweise schon Jahre hinaus…

      Es macht die Situation dennoch nicht besser. Man kann nicht von jedem Verbraucher erwarten, dass er das immer automatisch weiß. dass er weiß, wo Rizling drauf steht, ist Welschriesling drin. Dass wenn von einer Rizling-Probe gesprochen wird, Olaszrizling gemeint ist. Das mag sich so eingeschlichen haben, aus Bequemlichkeit, als lokale Tradition. Aber es verzerrt und führt zu einem falschen Bild. Und wie lange kann man an anderer Stelle darüber diskutieren, dass ausländische Etiketten unverständlich sind, man nicht weiß, was drin ist in einer Flasche, von wem sie erzeugt wurde, welche Qualität darin steckt etc… Das hier, ist ein viel offen liegenderes Problem.

      Und es ist auch kein gutes Zeichen, dass viele ungarischen Weinkonsumenten gar nicht wissen, dass es da ganz nebenbei noch den echten Riesling gibt, dass der rein von der Natur gegeben deutlich bessere Weine erbringen kann. Insofern bleibe ich dabei, dass es ein Stück weit Verdummung, die oftmals gar nicht bewusst, absichtlich betrieben wird. Aber der Weinwelt nicht gut tut.

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