Karlotta, das klingt verdammt Schwedisch, weckt zumindest in mir Assoziationen mit Schweden. Die Wassmanns stellen diese Karlotta als “süßes Powergirl” vor. Auch das weist in Richtung Emanzipation, passt also nach Skandinavien. Der Wein selbst kommt dann im ganzen betrachtet fast androgyn rüber, wie ein Zwitterwesen. Was nicht heißt, dass er unentschieden oder gar fahrig wirkt. Nein. Genau deswegen hebt er sich ab, gefällt er.
Charlotta sollte sie eigentlich heißen. Die gab es bei dem Bioweingut seit 2005 als Cuvée von Chardonnay und Olaszrizling, also Welschriesling. 2009 ist aus der Charlotta aber die Karlotta geworden. Ein Kosename, der auf die 5,5g/l Restzucker verweist. Und der spielt schön auf, anfangs zumindest. Doch der Reihe nach.
Karlotta landet mit hellem Strohgelb im Glas. Zeigt sich in der Nase elegant fein-süßlich, leicht vegetabil, mit sanft gedämpfter gelber Frucht, Wachs, etwas Honig und noch etwas weniger Holz, warm. Zeigt sich am Gaumen anfangs sehr sanft, mit zartem, nicht allzu intensivem Schmelz. Honigmelonenfrucht, halbreife Aprikosen. Sanft anmutend, weiblich, mit klaren, nicht allzu stark ausgeprägten Säuren und leichter, gänzlich unaufdringlicher Süße. Das ist wohl der Chardonnay. Und dann kommt, wenn man so will, Karlottas zweites Geschlecht zum Vorschein, langsam, aber unaufhaltsam. Der erst nur feinherb rüstige Hintergund tritt zunehmend nach vorne, als würde die gelbe Frucht allählich in ein Wachsbad mit eisernen Wandungen getaucht. Da findet sich dann auch kein halbtrocken anmutender Wein mehr im Glas. Das ist wohl der Olaszrizling. Karlotta kommt mit 14,4% Vol. Alkohol daher. Die machen gegen Ende mächtig Druck, unterstützen das Bad, ohne wirklich unangenehm zu werden. Nur eben wundert man sich, welch maskuline die Züge die eingangs doch so liebreizend feminine Karlotta zeigen kann.
Vielleicht ist Karlotta doch in der Tat eine burschikose, leicht widerspensige Göre, mit heller strohblonden Zöpfen, die ihren ganz eigenen Weg geht. Ja, mit etwas Distanz betrachtet passt das ganz gut und gefällt mir das ganz gut. Damit sind dann auch meine narzisstischen Züge etwas befriedet, die mal mehr und mal weniger nach einem Stück Skandinavien verlangen. Sollen sie es meinetwegen haben, das Stück, in Gestalt einer eigenständigen Weißwein-Cuvée aus dem Süden Ungarns. Auch dann, wenn sich nach wenig Recherche herausstellt, dass Karlotta ein altdeutscher und italienischer und – immerhin – im Finnischen gebräuchlicher Name ist. Mir egal.
Anmerkung: Dieser Wein wurde mir vom Erzeuger zum Verkosten zur Verfügung gestellt.
Wein: Karlotta 2009
Weingut, Ort: Wassmann Pincészet, Pécsdevecser
Rebsorte/n: Olaszrizling, Chardonnay
Alkoholgehalt: 14,5% Vol.
Preis: 7,50 EUR
Internet: weingut-wassmann.de
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