Németh Attila Gábor - Chardonnay 2005

Der hat eine Vorgeschichte. Und die geht so: vor langer langer Zeit, es muss vor vier oder fünf Jahren gewesen sein, kam meinereins mit Freunden in der Mátra bei Németh Attila Gábor durch. Er selbst war nicht da, wohl aber sein Vater. Der beglückte uns mit einer klassichen Form von Gastfreundschaft, die sich unter anderem insbesondere in einer ausgesprochenen Ausschenkfreude manifestierte.

Es kam wie es kommen musste: man verließ den Keller in möchtig bedüdeltem Zustand und mit einigen Flaschen Wein im Gepäck. Handgepäck nur, wohlgemerkt. Darunter einige Flaschen dieses Chardonnays, der durch seine Außergewöhnlichkeit bei uns allen positiv auffiel. Diese Bestand nicht nur in seinen mächtigen 15,5% Vol. Alkohol, sondern auch seiner eher Chardonnay-untypischen Charakteristik. Ich dachte mir, zur Seite legen und mal schauen, wie der sich in ein paar Jahren später schlägt. Und ist mein Weinklimaschrank zwar stehts übervoll, weist aber de facto keine Untiefen oder verborgenen Ecken auf. Und dennoch stieß ich erst Anfang der Woche wieder auf eine der Flaschen, kam erst jetzt wieder auf die Idee, mich mal wieder mit dem Weinchen zu beschäftigen. Das die Vorgeschichte.

Nun der Wein: Intensives, dunkles Strohgelb im Glas. In der Nase etwas Vanille und Harz, etwas mehr kräuterige Würze, aber noch deutlich mehr golgelber, vollreifer Apfel. Am Gaumen dann ganz anfangs mit wenig Frucht und einem kalten, metallenen Schmelz. Nach etwas Erwärmen im Glas kommt dann auch mehr Frucht, als da wären Banane, bittere Schalen von gelben Birnen und Quitten. Der metallene Schmelz bleibt, leicht ölige Textur, füllig, voluminös, aufdringlich in alle Richtungen. Säuren sind da, spielen aber nur untergeordnet eine Rolle. Mit der Wärme, aber noch viel mehr der Luftzufuhr, nämlich nach zwei und drei Tagen Offensein der Flasche, drängt dann der Alkohol nach Raum, nach Freiheit. Und das – wie eigentlich logisch und zu erwartend – auf die fiese Tour, durch viel Würze, am Gaumen und Zunge zunehmend brennend, fast alles andere überdeckend.

Am dritten Tag sagte Gott „Das Wasser soll zurückweichen, damit Land entsteht.“. Hier sagt der Alkohol, es soll kein Wein mehr, es soll Sherry im Glase sein. Doch das will ich nicht, schließlich habe ich Wein gekauft. Nicht gut. Und doch eine interessante, wenn auch rückblickend eigentlich vorhersagbare Erfahrung.

Wein: Chardonnay 2005
Weingut, Ort: Németh Attila Gábor, Gyöngyöstarján
Rebsorte/n: Chardonnay
Alkoholgehalt: 15,5% Vol.
Preis: keine Ahnung mehr, wohl so um die 10-13 EUR
Internet: nag.hu

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