Wie schon die große Furmint-Verkostung im Februar wurde auch die Süd-Balaton Veranslatung vom Online-Magazin Vinoport organisiert und in der Vajdahunjad-Burg im Stadtwäldchen durchgeführt.

Balatonboglár, Balatonboglár… Da assoziiert meiner eins unwillkürlich „BB“, die billige, unerträgliche Massensektplörre vom Balaton. Mit dem Ort Balatonboglár verbindet man begrifflich erst einmal wenig, es sei denn man fährt dort hin, an eben jenen Plattensee, zum Baden, zum Party machen, weniger der örtlichen Weine wegen.

Doch Balatonboglár ist ja genau genommen auch der Name jener Weinregion, die ich vereinfachend Süd stets -Balaton nenne. Ein Stück weit Terra incognita. Man kennt ein paar Erzeuger, die allen voran Konyári (samt Ikon, der Marke für die Einstiegsweine) und die Légli Brüder Ottó und Géza. Dann allenfalls noch Bujdosó und Garamvári, aber das war es dann auch schon.

Genau das machte die gestern vom Online-Weinmagazin Vinoport einmal mehr wirklich gut organisierte Veranstaltung, auf der sich 19 Erzeuger aus eben dieser Region präsentierten, für mich und wohl auch viele andere doch spannend. Schließlich begibt man sich bei dieser Ausgangskonstellation in die angenehme Gefahr, über eine interessante Neuentdeckung zu stolpern.

Lieber eine etwas unscharfe und nicht allzu schöne Karte, als gar keine... (Quelle: http://kek-hold-szalloda.internettudakozo.hu)

Dass es viel zu verkosten geben wird, war somit klar. Dass man sich mehr denn je einem Marathon pflichtschuldigst hingeben musste, eigentlich auch – um eben ja nichts zu verpassen. Und klar war, last but not least, selbstverständlich auch, dass man auf hart gesagt viel „Ausschuss“ stoßen wird. Konsequenterweise fallen diesmal die Notizen zu den einzelnen Weinen kürzer aus, was mir in zweierlei Hinsicht angemessen erschien: weil es zum Teil schlichtweg nicht viel zu sagen gab und nur so der Marathon auch zu bewältigen war.

Wirkliche Überraschungen, das sei vorweggenommen, gab es nicht. Leider. Dafür waren letztlich doch zu vielen Weine schwach, viele zum Glück(!, denn das machte mein Leben einfacher) kraftlos-verwässert und säurearm – und vielfach eher alkoholarm, was ja nicht verwerflich ist. In einigen Fällen konnte man sich mit ein wenig Vorstellungskraft aber immerhin in Gedanken auf eine schattige Terrasse beamen, im Hochsommer, am Süd-Balaton, mit Blick auf die Weinberge und den Balaton samt Nordufer im Hintergrund und eben einen dieser Weine im Glas und eine größere Gesellschaft um einen herum: dazu passen die Weine dann auch wieder. Da will man, da braucht es bisweilen nicht mehr.

Ein wenig Struktur tut not und der Sache also gut. Insofern habe ich die Verkostungsanmerkungen zu jedem Erzeuger zusammengefasst, die unbekannten oder eben unbekannteren vorangestellt. Nach dem Namen des jeweiligen Weingutes ist noch der Ort aufgeführt.

Hujber Pince, Balatonboglár

Királyleányka 2010, Faulig-gärende Litschi in der Nase, klare, kühle Birnenfrucht, aber säurearm und lau wirkend. Irsai Olivér 2010, Gewürztraminer, Rosenwasser, Litschi in der Nase. Insgesamt leicht, feinfruchtig-floral, weich, hinten bitter, ordentlich. Merlot 2009, halbtrocken wirkendes Wenig bis Nichts, rote Kirschfrucht duckt sich unter schwachen Säuren weg.

Koltai Pincészet, Szőlősgyökör

Fehér Cuvée 2010 aus Királyleányka und Rizlingszilváni (= Müller-Thurgau), Gummibärchen in der Nase und in zu viel Wasser aufgelöste und mit einem Spritzer Zitronensäure bedachte Gummibärchen am Gaumen. Olaszrizling 2009, sehr seicht, Spuren von bitteren Äpfeln, nicht gut. Chardonnay 2010, fast grausame, säuerlich-bittere Frucht. Pinot Noir 2008, enorm runde, weiche, sich anbiedernde rote Frucht, sonst nicht allzu viel. Cabernet Sauvignon-Merlot 2009, Spürbares, feines Holz, eingekochte dunkle, leicht süßliche Frucht, wenig Gerbstoffe. Korrekt.

Veszprémi Családi Pince, Kötcse

Chardonnay 2009, etwas streng, bitter, Traubenschalen-Zitrus-Frucht, aber gut trinkbar. Merlot 2006, dezent, etwas metallisch wirkende aber doch recht schöne, kompakte, rote Frucht aus Kirschen, ein wenig Holz, Säuren, schön! Cabernet Sauvignon 2007, Cocktailkirschen und Schokolade in der Nase, am Gaumen direkt ansprechend, straff organisierte Säuren die Struktur geben, Zwetschgenfrucht, gut adstringierend. Nicht schlecht.

Országh Pince, Balatonboglár

Kékfrankos 2010, extrem hell im Glas und extrem seicht am Gaumen – diplomatisch ausgedrückt. Merlot 2010, eigentlich rot gemeinte, aber halbtrocken wirkende, säurearme Rosé-Plörre, sorry. So schnell verschwindet dann doch die Geduld für diplomatische Wendungen. Carmen 2009, wohl so etwas wie eine Merlot-Barrique-Selektion, rote Kirschen und Wasser.

Szt. Kristóf Pincészet, Zamárdi

Blanc 2009, hier wurde deutscher Riesling zu Olaszrizling gezwungen, beiden übel mitgespielt, ein sehr laues Nichts. Zenit 2008, leicht alkoholisch-würzig, Honigwachs, ausgebleichte gelbe Frucht, naja. Chardonnay 2007, fehlerhaft.

Némethi Családi Pincészet, Balatonlelle

Királyleányka 2010, leicht, floral, zum Ende hin sogar so etwas wie angriffslustige Säure, ordentlich. Irsai Olivér 2010, halbsüß, wässrig, säuerlicher Abgang, nicht gut. Muskotály 2010, halbsüß, aus Muscat Lunel, Dosenananas in der Nase, am Gaumen zuckrig süß, sonst rein gar nichts. Tramini kései szüret 2009, eine Traminer-Spätlese mit satten 15,5% Vol., wie als hätte jemand ein paar Rosinen in viel lauwarmem Wasser aufgelöst, Null Geschmack, am Ende alkoholisch Bitter. Bäh!

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In Kürze dann Teil II, mit weiteren Unbekannten…

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