Forsetzung von gestrigem Eintrag.
Hier mal ausnahmsweise keine Einleitung, kein stilistischer Wegweiser.
Einleitend der Gutswein, der Birtokbor 2009 von Sarolta, mit 13,0% Vol. aus 90% Furmint und 10% Hárslevelű, welche schon vor dem Pressen zueinander fanden. Kühle, etwas entrückt wirkende gelbe Traubennase. Auch am Gaumen tritt die Frucht eher verhalten zum Vorschein, klare feine Säuren, gegen Ende schöne, etwas zumindest etwas zupackende mineralische Würze. Insgesamt etwas schlapp. Dann der Lagenwein, der Barakonyi Furmint 2009, der mir bereits im Februar auf der großen Furmint-Verkostung sehr gut gefallen hatte. Acht Monate Gärung im Holz, welche die 14,5% Vol. Alkohol sich haben schön rund einbinden lassen. Jetzt wirkte der
Wein gar etwas verschlossener als vor zwei Monaten. Kühle, leicht metallisch-würzige Kräuternase, gelbe Birnen. Am Gaumen mit leicht süßlicher Frucht, Äpfel, Birnen, Quitten, zunehmende Mineralität, sehr fest und elegant. Schön! Es folgte der Sárga Muskotály 2009, der Gelbe Muskateller, mit 12% Vol. halbtrocken, wunderbar leicht und offen, alles andere als einer dieser schwerlastig-schwülstigen Muskateller, die sich einem unwidersetzbar aufzwängen, aufdrängen. Gepflegtes Bouquet, am Gaumen fein gezeichnete Muskateller-Frucht, sanft, feinste Säuren, spielerisch leicht cremig, tänzelnd. Nett. Hier ist es fast zwingend notwendig zu schreiben, dass diesen Stil wohl nur einen Frau zustande bringt… Kövérszőlő 2009, jener alten autochthonen Rebsorte, die erst ganz allmählich wieder in den Fokus von einigen wenigen Erzeugern in Tokaj kommt. Sarolta Bárdos ist somit eine der ersten, die sich zudem seit längerem mit Kövérszőlő beschäftigt. Dieser hier kommt mit 65 g/l Restzucker und 11,5% Vol. Alkohol und in der Nase mit weißen und orangenen Gummibärchen. Am Gaumen mit einer wunderbar frischen, unbelasteten, fruchtigen Süße, nach Sarolta vermutlich ist der Restzucker zu großen Teilen als Fructose bestehen geblieben. Zart schmelzend, sanfte transparente Säuren, gelbe Quitten-Birnen-Frucht. Schön.
Witziger Weise hatte ich gerade im ersten, gedanklich halb abwesenden Angang „Prantner“ anstelle von Pastor geschrieben. Der Grund: ich war einmal bei einer Jahrgangspräsentation der Prantner-Weine (darüber hier und hier), durch die Tibor Juhász gekonnt führte. Inzwischen hat er sich losgelöst von Prantner, bearbeitet seine eigenen paar Hektar in direkter Nachbarschaft, bekommt nach wie vor Unterstützung der Familie aber macht eben seine eigenen weine unter dem Pastor-Label (Juhász, sein Familienname, meint ebenso wie Pastor „Schäfer“ auf Ungarisch und da der Name Juhász im ungarischen Erzeugerumfeld schon (mehr)fach belegt war…).
Am Stil und somit am Grundansatz hat sich nicht wirklich etwas geändert: Tibor erzeugt durchweg spontan vergorene, in 500 Liter-Holzfässern ausgebaute, bewusst fruchtbetonte und damit leicht zugängliche, trinkfreundliche Weine, die es dann zu einem absolut fairen Preis (mehrheitlich zwischen 5 und 8 EUR die Flasche) zu haben gibt. Das ist gut und wichtig. Vieles hat das Zeug, mehr als nur ein normaler Alltagswein zu sein. Andererseits fehlt es gezwungenermaßen an Raffinesse und Eigenständigkeit. Alles geht eben nicht. Aber in diesem Preissegment (bis 2000 HUF, also rund 7,50 EUR) würde ich persönlich quasi jeden Pastor-Wein erst einmal den Basisweinen lokaler Größen vorziehen.
Der Rosé 2010 basiert auf Kékfrankos, also Blaufränkisch und erinnert mit seiner von Frühlingssonne verwöhnten Haut-Farbe stark an den von 2009er Prantner. Untypisch, weckt allein daher schon Interesse. Am Gaumen halbreife Erdbeeren und Himbeeren, nicht allzu ausgeprägte und leicht gesetzte, süßliche Frucht (bewusst finden sich ausnahmsweise noch 1,5 g/l Restzucker drin), griffig, leicht metallische Säuren. Schön. Der Siller 2010 (12,5% Vol.) hingegen, auf Kadarka-Basis und dennoch so dunkel wie ein normaler Trollinger, wirkte etwas kraftlos, lief so durch, die Brombeer-Erdbeer-Frucht flutsch förmlich weg, auch die herbe Säuren zum Ende hin helfen da nicht. Beim Kadarka 2009, dem echten, roten, mit 13,5% Vol. typisch würzig und doch etwas weicher, Moos- und Brombeeren, hinten floral. Trinkt sich so gut, könnte noch etwas resoluter, druckvoller sein. Der Medito 2008 ist ein für die Gastronomie, genauer ein Restaurant erstelltes Rundum-Sorglos-Paket mit nun schon 14% Vol. und aus 50% Kékfrankos, 25% Cabernet Sauvignon und 25% Franc. Dass der Blaufränkisch die Hälfte beiträgt, würde man nicht vermuten. Die Cabernets drängen sehr stark nach vorne und tragen zu einem kräftigen, in sich sehr stimmig Alltags-Cuvée bei, das klassischerweise mit Schwarzen Johannisbeeren und Brombeeren kommt, etwas Gerbstoffe aufweist und nur etwas zu harte Säuren in der zweiten Hälfte.
Der Merlot 2008 mit 14% Vol. ist vielleicht der derzeit schönste Wein von Pastor. Mit ungemein warmer, weicher Kräuternase mit eingekochten dunkelroten Früchten und feinem Holz. Am Gaumen samtig, kreisrunder Trinkspaß mit erstaunlich viel Dichte, wenn auch auf wenig Raum. Fette schwarze Kirschfrucht und Marzipan, feine Gerbstoffe, gut integrierte Säuren. Wirklich gelungen! Mit den beiden reinsortigen Cabernets tat ich mir dann wiederum etwas schwerer. Insbesondere der ‘08er Sauvignon (14,5% Vol.) kommt zwar mit leicht rauchiger Brombeer-Frucht fein würzig und gesetzt daher, gegrillte Paprika spielen auch mit rein, etwas einfältig und kraft- oder führungslos erscheint er aber doch. Da ist der Cabernet Franc 2008 mit 14% Vol. noch interessanter, weist neben einer getrockneten dunkelroten Frucht die klassischen grünen Paprikaaromen auf. Alles drängt sich ein wenig auf engem Platz, ist eher von Würze als Frucht getrieben. Wie gesagt, etwas mehr Eigenständigkeit und Zugkraft wäre hier und da vielleicht schön. Andererseits verdirbt mein Wunsch auch gleich wieder die Zugänglichkeit und den unverkrampften Trinkspaß, für den die Weine entwickelt bauen und zu Recht.
Als Nachschlag wird es bald noch Anmerkungen zu den drei edelsüßen Anwesend des Abends geben…
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