Kurzbesuch auf der VinCE 2011, oder: wie man Wein-Events nicht machen sollte

Professionell aufgemachter Internetauftritt, bemerkenswerte Gästeliste, viele Erzeuger - allein die Performance der Organisatoren läßt zu wünschen übrig... (Screenshot von vince2011.co)

Eher unbeabsichtigt, in jedem Falle nicht geplant landete ich gestern auf der VinCE 2011, dem 2010 vom Decanter-Magazin ins Leben gerufenen großen Wein-Event. Ein Kurzbesuch aus diversen Gründen, der nur zu wenigen Verkostungsnotizen führte – weil der Gesamtansatz und damit scheinbar zwingend einhergehend die Organisation der Veranstaltung einem das Leben schwer genug machte. Daher fällt die einleitende Kritik vermeintlich länger aus als die Weinbeschreibungen.

Ich halte es dennoch für angemessen, ja notwendig, ein paar Zeilen dafür zu opfern. Grundsätzlich zielt VinCE darauf ab, neben den eigentlichen Verkostungsmöglichkeiten vor allem auch durch ein breit gefächertes Kursangebot den zahlenden Besuchern deutlich mehr zu bieten als eine gemeine internationale Weinmesse an sich. So habe ich es zumindest verstanden und soweit ist das ja auch schön und gut. Man unterteilt den Zugang zeitlich zwischen Fachbesuchern und der allgemeinen Öffentlichkeit. Auch gut. Doch dieses Jahr führte dies alles in allem zu ausgesprochen merkwürdigen (Un-)Abläufen.

Die Austeller, mehrheitlich Weinerzeuger, waren aufgefordert zwischen 6:00 und 8:00 Uhr in der Früh ihre Stände zu bestücken. Irgendwann startete dann das Kursprogramm. Es unterschiedliche Informationen und entsprechend noch mehr Interpretationen zum Ablauf, konkret: wann die Fachbesucher und ab wann dann zeitversetzt auch die Öffentlichkeit an die Stände zum Verkosten durfte. Eiserne Regel: während Kurse liefen (in denselben Räumen in der Mitte) durften keine Weine ausgeschenkt werden. Das führte letztlich zwingend dazu, dass offiziell erst ab 16:00 Uhr (!) die ersten Gläser gefüllt werden durften.

Rückblick: die Austeller musste schon bis spätestens 8:00 Uhr mit allem vor Ort sein. Und durften hernach ebensolche acht Stunden warten und Däumchen drehen. Manch einem Aussteller war es zwischenzeitlich gar verwehrt, an den eigenen Stand zu gehen, da ein recht hochbezahlter, geschlossener Kurs in eben diesem Saal abgehalten wurde… Ach ja, der Verkostungszeitraum für reine Fachbesucher beschränkte sich durch die Zeitplanung auf eine Stunde (für rund 70-80 Erzeuger und Händler), der für die Öffentlichkeit auf vier Stunden…????? Hmmm. Da waren so unverständliche wie fundamentale Informationsdefizite, wo und wie Aussteller selber an wenigstens ein-zwei Gläser kommen durften sogar eine milde zu belächelnde Nebensache.

Grotesk das Ganze. Unmut bei vielen.

Ich gab mich persönlichen Zwängen, kleinen Verpflichtungen so genussvoll hin wie eben möglich und begnügte mich letztlich mit einigen mir noch unbekannten Weinen von Breitenbach und zudem noch einer kleinen aber recht interessanten Villány / Cabernet Franc-Querverkostung mit eingebauter Vertikale.

Abrupter Einstieg und ganz schrecklich anrüchig, ja illegal, weil vor dem Beginn des offiziell genehmigten Fachbesucher-Verkostungs-Zeitfensters, der Hárslevelű Lapis 2008 von Breitenbach Pince (Tokaj) mit schweißig, mineralischen Noten, Quittenfrucht, Wachs und etwas Honig in der Nase. Am Gaumen sofort, direkt ansprechend, dabei mit kräftiger, ziemlich grüner Frucht, deutlichen Wachstönen auch hier und ordentlichen Säuren. Ein stilistisch recht robust-kernig gebauter, geschmacklich außergewöhnlicher Hárs mit recht langem Nachhall. Ein mutiger Versuch, Furmint und Riesling zu paaren ist leider nicht wirklich gelungen, weshalb vom 2008er Fura = komisch, merkwürdig genannten Weißwein-Cuvée eher abzuraten ist. Der Halas Furmint 2008 ist grünlich fruchtig-vegetabil in der Nase, mit Gurken und Äpfeln und getrockneten warmen Kräutern. Am Gaumen mit wenig, ja einem Tick zu wenig Säure, dadurch aber auch sehr geschmeidig, weich, mit klarer, gegen Ende deutlich grüner Apfelfrucht. Der Furmint Késői 2006, gar der erste Wein von János Kiss, ist eine süße Spätlese mit Honig und Petroltönen in der Nase. Am Gaumen fehlt es hier nun definitiv an Halt und Struktur gebender Säure. Immerhin wird eine recht stabile, würzige Mineralität geboten, dem Ende hin zunehmende Apfel-/Bananenfrucht, insgesamt aber doch etwas flach und kraftlos.

Morgen dann noch zu den Cabernet Franc aus Villány…

Be Sociable, Share!

Tags:   · · · ·

6 Antworten auf “Kurzbesuch auf der VinCE 2011, oder: wie man Wein-Events nicht machen sollte”

  1. Zoltán Heimann sagt:

    Ich bin mit deiner Meinung über die Veranstaltung mehrfach nicht einverstanden, teilweise weil du falsche Quellen hast, und vieles ungenau ist.

    Wir durften am Freitag von 8-22 Uhr ODER Samstag von 6-8 alles einpacken. Um auf die geführte Verkostungen zu konzentrieren (welche in Ungarn bisher durchaus selten stattgefunden haben) wurden wir gebitten vorhin nichts einzuschenken. Ab 15 Uhr (statt 16, laut deine Quellen) dürften wir unsere Weine präsentieren.

    Die Idee, nicht schon morgens anfangen zu müssen und mehr Zeit mit der Fachpublikum haben zu können machen dieses Event von allem (inkl. Borfesztivál im Buda Burg) am besten: gutes Publikum, mehr Konzentration, weniger Besoffenen und deutlich weniger müde Winzer am Ende.

    Also ich persönlich bin froh um auf VinCE teilnehmen zu können und ich denke es bringt was neues in Ungarn. (Vergleichbar zu ProWein in Deutschland – nur in unser Größenordnung).

    Klarer Weise gäbe es viel zu entwickeln und verbessern… darüber sollte man mehr schreiben (jetzt bin ich aber schon zu müde)…

  2. admin sagt:

    Lieber Zoli,

    danke für Deinen Kommentar über den ich mich besonders deshalb auch freue, weil ich natürlich grundsätzlich an guten Veranstaltungen, die das Thema Wein voranbringen, immer interessiert bin.

    Zu Deiner Kritik: meine Quellen sind 4-5 Erzeuger und zwei Fachbesucher, mit denen ich im Gespräch war und ich selbst, der ab 13:50 Uhr dort war. Nach einem informellen Gespräch in der Lobby machte ich ab 13:30 Uhr einen Rundgang. Ich traf Erzeuger, die aus verschiedenen Gründen nicht die Möglichkeit hatten, schon am Freitag ihren Stand zu bestücken und also Samstag frühmorgens anreisen mussten. Für diese ist es ärgerlich und mehr als suboptimal, wenn Sie bis spätestens 8 Uhr da sein müssen und dann anschließend einen Leerlauf von etlichen Stunden haben. Dem kann ich nichts hinzufügen.

    Ich selbst war von einem Aussteller als Fachbesucher eingeladen worden und musste mich insofern um nichts kümmern, traf uninformiert ein. Dann ging die Suche nach einer Gläserabgabe los, nachdem dieser und ein anderer Aussteller keine Ahnung hatten, wie diese kleine aber essentielle Sache organisiert ist. Dies führe dazu, dass u.a. ich mich durchfragte und u.a. von einem bekannten Erzeuger aus Tokaj zur Antwort bekam, dass sie Glück hatte und sich eines irgendwie organisieren konnte, ich ihr aber bitte unbedingt sagen soll, wenn ich den formellen Weg herausgefunden habe…. Zumindest scheint die Informationskette hier zu kurz geraten. Ich halte es nicht für normal, dass Aussteller auch nur ansatzweise Energie darauf verschwenden zu müssen, Gläser zu finden.

    Auch über den Zeitpunkt, zu dem Fachbesucher offiziell verkosten dürfen, waren mehrere Versionen im Umlauf. 15 Uhr und 16 Uhr. Fakt ist, dass um 15 Uhr geschätzt knapp die Hälfte der Stände noch verwaist war, manche nicht bereit waren auszuschenken und übrigens Eis zum kühlen der Weißweine erst ab rund 15:30 Uhr ausgegeben wurde. Ich weiß nicht wie es zu diesen widersprüchlichen Informationen kam, sie fallen aber automatisch immer negativ auf die Organisatoren zurück. Gute, klare Kommunikation ist das A und O. Und auch gute Weißweine, die sich auch dadurch auszeichnenm, dass sie etwas höhere Temperaturen noch recht gut abkönnen, bereiten jenseits von 15 Grad kein echtes Vergnügen mehr.

    Absolutes Positivbeispiel eines gut organisierten Events war für mich zuletzt die große Furmint Február Verkostung, durchgeführt von Vinoport. Gute Räumlichkeit und also Rahmenbedingungen (deutlich besser als im schnell überhitzten Festetics Palota), kompakt gehalten (auch auf 4 Stunden begrenzt aber eben unter der Woche, was in sich kohärenter scheint und keine Vorlaufzeiten bedeutete) und überdruchschnittlich interessierte Besucher. Das Borfesztivál halte ich durch seinen gezielt ganz offenen Ansatz gerade als überaus problematisch, was die Anzahl Betrunkener anbelangt – wiewohl es für die Erzeuger gerade wegen des großen Publikumauflaufs wichtig sein mag.

    Nachvollziehen kann ich Dein Argument, dass VinCE mit einer Art ProWein-Ansatz d.h. mit erweiterem Fachbesucher-Zeitbereich und auch den Kursen wichtig und richtig ist. Es scheint mir nur ein recht kurzer Weg dorthin, hier und da sollte an einigen grundsätzlichen Stellrädchen gedreht werden und schon wäre alles besser (etwa ggf. ein paar Aussteller weniger, dafür aber zumindest eine teilweise räumliche Trennung von Kursen und Verkostungen um beide ab einem gewissen Zeitraum parallel laufen zu lassen). Umso unverständlicher erscheinen mir diese unnötigen, groben Patzer.

    Beste Grüße,
    Peter Klingler

  3. Endmoraene sagt:

    Warum merken Winzer in Ungarn nicht, dass sie sich mit dieser “Kritikabwälzung” einfach nur schaden? So bleibt eben das meiste weiterhin Mittelmaß. Ärgerlich, dass man sich bei den Preisen völlig unangemessen mit der “Spitze” misst.

  4. László Szeremley sagt:

    Liebe(r) Endmoraene

    Diese Veranstaltung ist nicht von den Winzern organisiert worden sondern von den Herausgebern des ungarischen Decanter Magazins. Die Winzer haben weder mit der Organistaion noch mit der Preisgestaltung zu tun gehabt.

    Ich bin der Meinung, dass dies eine sehr gut organisierte Ausstellung war, viel besser als Mittelmaß. Die Eintrittspreise waren sicher im “Spitzenfeld”, jedoch nicht völlig unangemessen.

    mfG
    László Szeremley

  5. admin sagt:

    @Endmorane und Szeremley.

    In der Tat und das hatte ich ja auch so geschrieben wurde die Veranstaltung vom Decanter Magazin organisiert.

    Mein Eintrag stößt sich ja mindestens so sehr an suboptimalen/problematischen Bedingungen für die Aussteller und in geringerem Umfang an dem, was Besucher dann ggf. wahrnehmen. Man muss auch klar unterscheiden zwischen großen und kleinen Erzeugern. Die letzteren können es sich eben nicht einmal kurz so leisten, eine Nacht in Budapest in einem Hotel zu bezahlen und reisen daher früh am Samstagmorgen an. Dann mehrere Stunden Leerlauf zu haben macht für sie schlichtweg keinen Sinn und das ist voll und ganz nachvollziehbar. So wichtige Details, dass das Eis zum Kühlen verspätet ausgeteilt wird, wäre so einfach besser zu machen, dass es einen Kopfschütteln lässt. Ich persönlich halte 1-2 Stunden Zeit zum Verkosten an einem Tag für Fachbesucher für zu wenig. Am Wochennde hätte man den Zugang für die Öffentlichkeit auch früher legen können und wenn man Kurse/Veranstaltungen und Verkostungen in einem gewissen Zeitraum räumlich trennen würde, wäre das vermutlich besser.

    Der Preis ist angemessen und liegt auf der Höhe ähnlich großer Veranstaltungen (gr. Verkostung Furmint Február, 7×7, Somlói Tavasz).

    Insgesamt haben sich viele Veranstaltungen in den letzten Jahren deutlich zum positiven entwickelt, auch jene, die schon länger abgehalten werden.

  6. Mal abgesehen davon, dass es einige gute und interessante Vorträge, Workshops und Informationen gab, stimme ich der Kritik von Peter Klingler zu. Als Aussteller bin ich am Samstagmorgen um 6 Uhr in Sopron mit dem Auto losgefahren, da wir etwas länger brauchten, durfte ich wegen der Pressekonferenz eines Autoherstellers (!) meinen Weinstand erst um11 Uhr beziehen. Und dann hiess es: warten und warten, bis ich um 16 Uhr die ersten Besucher empfangen konnte. Die Zeit für die Verkostung war zu kurz, um vernünftige Kontakte und Gespräche zu haben. Aber genau deshalb bin ich aus der Schweiz angereist!
    Dass die Aussteller Gläser brauchen, um ihre eigenen Weine verkosten zu können, wie auch jene der Kollegen, haben die Organisatoren schlicht vergessen. Ich musste mir welche kaufen, um das Problem zu lösen.
    Sehr unangenehm ist mir auch die Security aufgefallen, punkt 20 Uhr haben sie auf ekelhafte Weise meine Gespräche mit Gästen aus Kanada unterbrochen.
    VinCe 2010 hat mit besser gefallen. Ich hoffe, dass die Organisatoren aus den Fehlern und Mängel lernen und nächstes Jahre eine bessere VinCe hinlegen.

Kommentar schreiben

Copyright © BorWerk.de 2008-2010
Wikio - Top Blog - Wein
Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de