
Spät übt sich. Man lernt schließlich nie aus. Ach herrjeh, man könnte aus Ermangelung an einer originellen Einleitung hier einen dummen Spruch an den anderen reihen. Und alles würde ein Stück weit in die richtige Richtung deuten – und doch zu kurz fassen.
Fakt ist, dass beim letzten Tokaj-Besuch ich endlich auch in Kontakt mit den Weinen von Zoltán Asztalos kam. Asztalos, der Familienname, bedeutet Tischler oder Schreiner. AZ Nektár heißt sein kleines Familienweingut. Im Glas fanden sich mit 2005er und 2008er Jahrgängen seine ersten Weine. Womit der Einstieg ins Winzertum markiert, gleichwohl aber noch nicht verraten ist, dass Zoltán, zumindest was sein Alter anbelangt – er wird mir das hoffentlich nicht übel nehmen -, kein Jungwinzer mehr sein kann.
Wie dem auch sei. Was da jedenfalls im Glas landete war schön, war eigenständig, war vielversprechend. Er übt sich spät im Weinemachen, der Zoltán, und steht erst am Anfang des “nie Auslernens”, legt dafür aber schon ordentlich vor.
Das “Weingut” selbst, liegt im de facto nur wenige Häuser-Dorf Kácsárd. Am Anus der Welt, nahe dem für nicht-Ungarn gewiss unaussprechbaren Ort Sátoraljaújhely, ganz an der östlichen Grenze des Weinbaugebietes Tokaj. Kleinste Mengen, wenige Hektar, teils alte Reben, biologischer Ansatz, echte Handarbeit. Doch zu den Weinen:
Den Anfang machte der Vióka 2008, ein Furmint aus einem für Ost-Tokaj sehr ausgeglichenen Jahr. Mit Wachs und reifen Birnen in der Nase, die sich gar überreifen am Gaumen wiederfinden, dazu Quitten und Pfirsiche, alles in allem eien recht satte und doch vitale Frucht. Da die spontane Gärung auf halben Wege stecken blieb, ist das Endergebnis halbtrocken und zart schmelzend ausgefallen. Feine, gazeartig wirkende Mineralität und Säuremantel als angenehmer, subtil Spannung gebender Gegenpol. Dann der Vióka Furmint aus derselben, 207 Meter hohen Lage, von 2005, mit dunklem Strohgelb im Glas, wie grundsätzlich alle Weine sehr farbintensiv und dunkel daher kamen. Am Gaumen deutlich runder, wie abgeschliffen wirkend, mit zusammengezogener, fast komprimierte, kompakte Frucht, leicht grünlichen Säuren im Hintergund und einer sanft-bitteren, ebenfalls auf angenehme Weise etwas grünlich wirkenden Mineralität. Direkt ansprechend, ganz sanfte Reifetöne.
Der Vióka 2 von 2008 war im Gegensatz zum Einser 18 und nicht nur 5 Monate im Holzfass. Was Botrytis- und Butterblumen-Töne und überhaupt (butter)toastige Noten ergibt. Kandiertes Holz und Wachs am Gaumen, Gras, Stroh, in sich runder, geschlossener, die Primäraromen und damit die Frucht sind deutlich in den Hintergrund getreten. Man fühlt sich weich und wohlig gebettet. Und das ist gut so. Der Kácsárd 2008, quasi ein “Gemischter Satz” (rund 80% Furmint, 15 Hárslevelű, Muskateller und diverse andere), schlägt dann wie zum Trotz in eine ganz andere Richtung, kommt mit weißen und Gummibärchen und feiner Kräuternase. Am Gaumen wartet er dann folgerichtig mit Almdudler-Aromen auf. Zudem Waldmeister und Pfefferminz, kühl und ungemein erfrischend, schöne Säuren, kurzerhand abgebeerter und -gepresster Trinkspaß. Zum Abschluß noch das Tokaji Édes Cuvée 2006, eigentlich aus Aszú-Beeren gewonnen, die 12 Stunden lang dem gärenden beigefügt waren. Erst recht rustikal auftretend, mit animalischer Nase, Stallgeruch, am Gaumen dann aber klar, mit satter, voller Frucht, deutlichen Botrytisnoten, frisch wirkende Säuren kommen erst in der zweiten Phase durch. Durchaus gefällig – und eben eigen.
Das sind mehrheitlich nonkonfirmistische Weine. Eine eindeutige Handschrift über alle Weine hinweg ist zwar noch nicht zu erkennen, wohl aber, dass Zoltán ein Händchen für die Erzeugug von Weinen hat. Vom Stand weg als Quereinsteiger zu diesen Ergebnissen zu kommen, das hat schon was. Ohne das von ihm erreicht schmälern zu woleln, zeugt es aber auch ganz eindeutig von der Stärke des Tokajer Terroirs, das in Kombination mit den autochthonen Rebsorten einfach richtig viel bewegen kann.

Zoltán Asztalos. Nachdenklich, fast bedrückt wirkend und selten lächelnd. Dabei hätte er allen Grund, zufrieden zu sein.
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