Kürzlich wieder in Tokaj gewesen. Neben einem erneuten Besuch bei einigen der bedeutendsten Erzeuger der Gegend und damit Ungarns, konnte ich auch die Weine zweier neuer Güter kennenlernen. Aus Zeitmangel kann ich leider nur eine kurze, grobe Skizze der Erzeuger samt Verkostungsnotizen geben. Bei Gelegenheit wird nachgeliefert, versprochen.
Auf 3,5 Hektar baut András Kanczler seit wenigen Jahren die Trauben für die eigenen Weine an. Biologisch, biodynamisch. Aus den drei bis fünf Jahre alten Jungpflanzungen sind nun die ersten Weine auf dem Markt. András, ehemals lange beim großen Hétszőlő für die Weine verantwortliche, setzt auf die “klassischen Fünf”, eben jene Rebsorten, an welchen sich die Weinregion Tokaj letztlich festmachen lässt: Furmint , Hárslevelű (Lindenblättriger), Kövérszőlő, Sárga Muskotály (Gelber Muskateller) und Kabar. Nun sind Kövérszőlő und Kabar wahre Exoten und auch vor Ort erst wieder langsam im Kommen. Und auch in András’ Weinbergen dominieren vor allem Furmint und Hárslevelű. Alles erhalten die ihnen nötige Zuwendung durch viel Handarbeit, der Ausbau fand im Holz statt.
Die ersten Weine sind drei an der Zahl. Ihnen gemein ist ihre leichte Zugänglichkeit, man könnte auch Trinkfreudigkeit sagen, die sich gleichsam in niedrigen Alkoholgraden widerspiegelt. Das ist von András ganz bewusst so angelegt. Und, ein gutes, enges Stück damit verbunden, ihre jungendlich-fruchtige Stilistik, die vom jungfräulichen Ertrag erzählt. Der Anfang ist damit gemacht.
13% Vol. Gerade einmal zu 600 Flaschen hat es gereicht. Grüne, vegetabile Nase, Zitrusfrüchte, auch Gurkentöne. Am Gaumen frisch, klar und rein, mit genau solchen Säuren und Fruchtaromen von Limetten und Äpfeln und Mandarinen, im Hintergrund leichte Bitternoten. Nicht sehr komplex, aber sauber gearbeitet, klar strukturiert. Für meinen Geschmack mit 3.000 Ft und also etwas mehr als 11 EUR zu hoch eingepreist. Aber das ist eben die ungarische Weinwelt.
13,5% Vol. Kühle grüne Gräser und vollreife gelbe Frucht in der Nase. Und auch am Gaumen dann etwas breiter, “fetter” als der Furmint – ein Hárs eben. Mit leichtem Restzucker, wiederum klaren Säuren, Limetten, Birnen, Aprikosen und insgesamt noch mehr Frucht. Auch hierfür werden 3.000 Ft veranschlagt.
Mit 55 g/l Restzucker ein halbsüßer Spätlese-Mix aus allen Rebsorten. Der Muskateller macht sich vor allem in der Nase breit, sorgt aber auch am Gaumen für leichte Trinkbarkeit. Schöne Süße mit recht dicker, klarer, zart schmelzender Frucht aus vollreifen Äpfeln, Quitten und Aprikosen, die jedoch schnell verfliegt. Die Säuren könnten etwas stärker gegenhalten.
Absolut gefällig, mit gefährlichem Hang zur Beliebigkeit.
Mir persönlich sind die Weine etwas zu offen, zu zugänglich, zu, ja, zu beliebig geraten. Denn wo will man sich mit einem kleinen Weingut von Beginn an abheben vom Rest? Andererseits: es mag eine weise und sicher bewusste Entscheidung sein, sie so anzulegen. Denn immerhin erreicht man damit deutlich mehr Kehlchen, die sonst eher verschlossen blieben. Dann bedrüfte es meiner Meinerung nach aber auch mehr Menge.
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