Gere Attila - Kopár 1999

Es war eine der ersten Flaschen ungarischen Weines, für die ich mehr Geld liegen ließ. Das muss vor zehn Jahren gewesen sein. Wenn ich mich richtig erinnere, waren es rund 30 Mark, die damals gefordert wurden und damit war der Bordeaux-Blend von Attila Gere einer der teuersten Rotweine überhaupt. Der Preis ist nach zwischenzeitlichen Hochs heute auf demselben Niveau, nur eben in Euro, 7500 Ft oder 29 EUR. Der „Attila“ von Attila markiert inzwischen das obere Ende aller ungarischen Rotweine, mit 100 EUR! Nie getrunken. Und ich würde auch nicht bereits sein, so viel für einen ungarischen Rotwein zu zahlen.Da gibt es definitiv Besseres, für deutlich weniger Geld. In Frankreich, auch in Italien und Spanien.

Kopár ist die Lage, südlich exponiert, am Hausberg Villánys, dem Szársomlyó. Man passiert sie mit dem Auto von Villány kommend auf dem Weg nach Nagyharsány. Löss der Untergrund. Und im Sommer heiß, sehr heiß. Der steile, karge Hang im Hintergund wirkt verstärkend, speichernd. Die Lag Kopár wird als eine der besten, teils auch als die beste von Villány-Siklós gehalten. Doch gibt es auch andere Stimmen, die gerade durch den bislang extremen Hitzestau im Hochsommer ihr genau dieses Prädikat absprechen.Der Kopár ist ein Cuvée aus den beiden Cabernets und Merlot.

Mittleres bis dunkles, trübes, leicht bräunliches Rubinrot. Kühle, rauchige Nase, braunes Holz, deutliche Grafit-Töne, insgesamt sehr zurückhaltende dunkle Frucht mit nur sich leicht andeutenden Alterstönen. Am Gaumen sehr international, mit recht präsenten Säuren, einer mittleren Frucht aus gekochten schwarzen Kirschen, Johannisbeeren und Brombeeren. Zum Ende kommen auch die Gerbstoffe auf, nicht allzu adstringierend. Im Abgang recht abrupt wegbrechend. Kein wirklich breiter, kein komplexer Wein, doch kompakt – und schön zu trinken. Jetzt gut, macht aber auch noch ein wenig Altern mit.

Zu haben ist der Jahrgang noch beimeinen oder anderen ungarischen Händler, für inzwischen knapp 100 EUR. Deutlich zu viel, wie mir scheint.

Wein: Kopár 1999
Weingut, Ort: Gere Pincészet, Villány
Rebsorte/n: Cabernet Sauvignon und Franc, Merlot
Alkoholgehalt: 14,0% vol.
Preis: ehemals rund 30 DM,
Internet: gere.hu

2 Antworten

  1. Wie schätzen Sie die Haltbarkeit der Villányer Weine ein? Bin eben aufgrund Ihres Artikels auf die Seite der dortigen Weinstraße gekommen. Dort steht – generell als Aussage zu den Weinen aus dieser Region:

    Bei Rotweinen verleiht ein hoher Tanningehalt ein großes Lagerpotenzial von bis zu 30 Jahren.

    Bei einwandfreien Weißweinen sind der Lagerung – wenn die Abfüllung fehlerlos erfolgt ist und der Korken richtig schließt – fast keine Grenzen gesetzt.

    http://villanyiborvidek.hu/de/das-weinbaugebiet/weinkultur-ala-villany/reifen-und-haltbarkeit-der-weine.

    • Ich kann leider nur aus sehr eingeschränkter, eigener Erfahrung sprechen. Der Kopár hier war frischer als ich dachte. Ich hatte mal das 2000er Duennium-Cuvée von Vylyan, im (nicht bewusst angesetzten) Direktvergleich mit einem vier Jahre älteren Supertoskaner. Und da schnitt der Ungar deutlich schlechter ab. Gehört habe ich schon einige Male, dass die Weine aus Vylyan doch nicht so lange halten. Empirische Erfahrungen habe ich leider eben kaum. Perspektivisch kann ich mir bei manchen Weinen, wie etwa dem 07er Cabernet Franc der Heumanns schon 20 Jahre vorstellen.

      Und wieder allgemein: was nimmt man zur Grundlage? Die 90er Jahrgänge, als viele Winzer erst noch zur Qualität finden mussten? Die heutigen Weine? Ich kann es beim besten Willen nicht sagen, habe keine solide Grundlage. Zumindest für die Roten nicht.

      Für die Weißweine halte ich es für dummes Geschwätz. Eben jenes, was auf den Weinseiten der Anbaugebiete in dieser merkwürdig verqueren, antiquiert bis ewiggestrigen Stilblüte dahergeschrieben wird. Da kann man noch so lange auf die Tradition im Weißweinbau von Siklós verweisen. Einen großen Weißwein mit Lagerpotential habe ich aus der Region noch nicht im Glas gehabt. Nicht einmal ansatzweise. Tokaj ja, Villány nein.

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