Teil I einer Artikelserie zu Villány-Siklos. Der Einstieg zur Serie “” findet sich hier.
Zugegeben. Fuchs und Hase sagen sich an vielen Orten gute Nacht. Da braucht man sich gar nicht streiten. Sicher ist aber, dass Babarcszőlős (sprich: “babarz ßölösch”) ein solcher Ort ist. Kein Weg führt daran vorbei und nur einer hin, wenn man Ákos Ruppert besuchen möchte. Bei der Gelegenheit lernt man auch gleich, dass die Weinregion Villány-Siklós sich deutlich weiter in den Westen erstreckt, als einem bislang klar war. Von Pécs kommend führt der Weg nicht üblich an Harkány vorbei nach Siklós, in den Südosten und bei Bedarf weiter nach Villány. Schon früher verlässt man die Landstraße 58 und biegt nach rechts ab, in den Westen. Die Straße wird immer schlechter, schlaglöchergespickt. Kurz vor dem Wald, ganz am Ende des kleinen Dorfes schließlich erwartet einen Ákos Ruppert.
Etwas mehr als 30 Lenze jung, hoher Haaransatz, etwas verrutsche Brille, mächtige Hände, ein unscheinbarer Typ. Das “Weingut”, besser gesagt die Kellerräumlichkeit zum Vorhalten der Edelstahl- und Holzfässer für Ausbau und Reifung der Weine befindet sich in der ehemaligen Wassermühle. Alles wirkt ein wenig chaotisch, improvisiert. Es fehlt an allen Stellen. Mehr aus der Not geboren hat Ákos anfangs nicht selber Wein erzeugt. Immerhin gehören seiner Familie stattliche 35 Hektar südlich von Babarcszőlős. Die Trauben hat er verkauft, seit 2002. Nicht an die unbedeutendsten Winzer, denn die Qualität war überdurchschnittlich gut. Das macht Ákos immer noch. Von etwas muss seine kleine Familie schließlich leben.
Vor wenigen Jahren begann er auch seine eigenen Weine zu erzeugen. Die Ausbildung dafür hat er, zudem über die Jahre hinweg genug praktische Erfahrung gesammelt. Und im Keller lernt er schnell dazu. Viel Tamtam macht Ákos darum nicht, die entscheidende Vorleistung findet an und zwischen den Rebstöcken statt. Er verwendet Reinzuchthefen, die Weine landen anfangs in Edelstahl und Kunststofftanks. Dann bleiben sie zumeist noch vier Monate im Holz. Er sucht noch nach einem Stil, kann aufgrund seiner Stammtätigkeit als Traubenlieferant auf viele Sorten zurückgreifen: den alteingesessenen Portugieser, die Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon und Franc und Merlot, sowie Pinot Noir und Kékfrankos, sprich Blaufränkisch/Lemberger. Bei den weißen reicht die Palette von Chardonnay über Olaszrizling (Welschriesling) bis hin und Muscat Ottonel.
Während des Besuchs zeigt er einige Fassproben. Vielfach sind es Weine, die sich noch in einem sehr jungen, teils auch problematischen, launigen Stadium sich befinden. Erschwert wird die Verkostung durch die erste echte Kälte des Jahres. Sich sowohl Weiß- als auch Rotweine bei geschätzten 10 Grad zu erschließen, macht es nicht wirklich einfach. Aber wenn nicht die Natur verantwortlich wäre, könnte man fast meinen, es wäre bewusst so inszeniert. Denn irgendwie passt es zur Gesamtsituation. Man hatte auch keine Probierstube in modernem Design erwartet.
Der Chardonnay 2009 verströmt trotzig Bananen- und Aprikosenaromen, ein süffiger Wein mit klaren, geschmeidigen Säuren, zartem Schmelz und leicht bitteren, grünen Kräutern. Der ohnehin schon sortenbedingt weiche Portugieser aus demselben Jahr und überreifem Traubenmaterial wurde bewusst nicht geklärt, kommt daher mit sehr weichen Tanninen noch geschmeidiger daher, mit schlanker, heller Frucht, viel fürs Frühjahr 2011 versprechend. Der Portugieser 2008 ist eine Fassprobe und trägt den Konzeptnamen Gixer, was so viel heißt wie dummer Fehler. Ákos hatte schlichtweg die rechtzeitige Ernte verschwitzt, vergessen. Und dabei Glück im Unglück, denn die Trauben schrumpften zwar etwas ein, hielten sich durch ausbleibende Niederschläge aber gut. Was er mit dem außergewöhnlichen, mengenmäßig gering ausgefallenen Ergebnis (in der Nase rohes Fleisch, etwas frisches Holz, rote Frucht, am Gaumen feist, eine Punktlandung in der Mitte, konzentrierte, zusammengezogene, kalte Zwetschgen-Frucht) anfangen wird, weiß er nach wie vor nicht. Der Cabernet Franc 2008 hingegen ist sehr griffig, schon wunderbar ausgewogen, mit schönem Holz, heißen dunkelrot-schwarzen Früchten, Zwetschgen, Paprika, im Aus Marzipan. Ein erster persönlicher Favorit.
Der 2008er Jahrgang fiel kälter und feuchter aus als seine Vorgänger und Nachfolger. die Weine fallen dadurch insgesamt etwas heller aus, säurereicher, fruchtiger, nicht so kräftig. Bei Ákos waren sie auch nicht so lange auf dem Most.
Dafür steht exemplarisch der Merlot 2008, der sortenuntypisch ausfällt, sehr kräuterig ist, kantig, neben Marzipantönen nur widerwillig und eingeschränkt eine etwas zu karge Brombeerfrucht preisgibt. Die Fassprobe des Pinot Noir 2008 hingegen schlägt wieder ins andere Extrem. 1 kg extrem überreife Trauben/Stock führten zu 16% Vol., die überreife schmeckt man, den zumindest bei der Untertemperierung Alkohol nicht. Das könnte mal spannend werden. Und doch wird hier klar, dass Ákos wirklich noch der Suchende ist, ein Konzept, eine einheitliche Stilistik noch im Entstehen begriffen ist.

Und dennoch wird das Können deutlich, hier hat jemand schon ein Gefühl, einen, seinen Zugang entwickelt. Es sind robuste Weine, die Ákos erzeugt, mit einem teils herben, teils wilden Stil. Ehrliche, unverstellte Gestalten, da Technik und Spielereien mit neuen Holzfässern schon aus finanziellen Gründen schlichtweg keine Option für ihn sind. Ein Glück, denn so fand man schon in den letzten zwei Jahren im Einstiegssegment einige Weine, die direkt ansprechen, nicht ansatzweise gestylt sind, bisweilen allenfalls etwas sortenuntypisch rüberkommen, was ihnen nicht zum Nachteil gelangt.
Der Kékfrankos 2009 kommt ausgesprochen jung daher, weiß aber mit gedeckten, eingekochte Früchten aus Zwetschgen und Kirschen schon jetzt zu gefallen. Der Cabernet Franc 2009 schlägt mit 16,5% alles in die Flucht. Auch mich, fast. Die malolaktische Gärung, so Ákos, verlief schwergängig und erscheint nicht zur Gänze abgeschlossen. Der Cabernet Sauvignon 2008 zum Abschluss versöhnt wieder. Es ist das Ergebnis der allerersten Lese und deshalb weicher, leichter und fruchtiger ausgefallen, die Traubenhülle war nicht hart, gab kaum Tannine ab. Schon im Februar hatte mir der Wein als eigenständiges Kerlchen ausgesprochen gut gefallen.
Dafür muss man bereits 12 EUR hinlegen, viele andere von seinen Weinen sind noch im Bereich von 6-8 EUR zu haben. Nachdem Ákos Weine in einigen lokalen Blindverkostungen ganz weit oben landeten, wurde auch der Budapester Weinhandel aufmerksam. Inzwischen gibt es ihn hier und da, auszugsweise. Viel läuft inzwischen über die Gastronomie, wo bekanntlich die Vertriebsunterstützung eingebaut ist. Wichtig für einen, der für Marketing kaum Zeit hat. Internetpräsenz Fehlanzeige. Eine Ausschreibung hat er gewonnen, ausreichend Geld für einen echten Keller und Räumlichkeiten, um angemessen Arbeiten zu können. Man muss Ákos und dem allem hier Zeit geben. Geduld, so scheint es, wird sich hier auszahlen.
Teil II der Serie folgt in einigen Tagen…
Dieser Artikel ist auch auf CaptainCork erschienen.

Tags: Cabernet Franc · Cabernet Sauvignon · Kékfrankos · Merlot · Portugieser · Rotwein · Ruppert Ákos · Villány-Siklós · Weißwein
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