Ich habe recht lange keinen Bikavér getrunken, mir kein “Stierblut” mehr einverleibt. Ein Stück weit hat das mit dem natürlichen Reflex zu tun, der sich bei einem hier in Ungarn einstellt, wo man Bikavér jederzeit allerorten in irgendeiner Form bekommen kann. Es ist das Standard-Cuvée, häufig von einfacher Qualität, auf nicht weiter kommentierte Weise einer vagen oder konkreten Tradition des jeweiligen Herstellers verbunden. Jedenfalls gibt es – natürlich gerade im 4-10 EUR-Preisbereich – in Ungarn zu viele Rotweine, wo Bikavér drauf steht. (Wer ein wenig tiefer in die Thematik einsteigen und Hintergründe möchte, den verweise ich gerne auf meine Bikavér-Serie. Die Basisinformationen sind zumeist immer noch gültig.)
Bei der Válogatás, also der “Selection” von Halmosi war ich dann aber doch gespannt und mehr als willig, die Flasche zu öffnen und mich dem Inhalt in freudiger Erwartung hinzugeben. Schließlich fiel das kleine Familienweingut als eines der neuen, hoffnungsvollen Sternchen am Szekszárder Weinhimmel auf – und dieser gleicht eher der Milchstraße, als einem schwarzen Loch, so viele neue Erzeuger sind in den vergangenen drei Jahren auf dem Markt erschienen… Von Halmosi hatte ich jedenfalls schon einmal den Kadarka sowie ein einfaches rotes Cuvée getrunken und war beide Male nicht enttäuscht worden.
Im Glas recht dicht, mit intensivem, dunklem Rubinrot. In der Nase eher von der kühl-zurückhaltenden Sorte, getrocknete Zwetschgen, Laub und Röstaromen. Auf letztere trifft man dann auch am Gaumen wieder, neben einer tiefdunklen, leicht eingekochten Frucht, Lakritz, gegrillter grüner Paprika und leichten Spuren von nussigem Espresso. Ein sehr kompakter, eher punktueller, dann aber recht intensiver Wein, dessen anfänglich recht kräftigen, fast etwas zu spitzen Säuren dann doch in die Breite drängen und ihne ein Stück weit unausgeglichen erscheinen lassen. Im mittleren Abgang leicht adstringieren. Am Folgetag in der ersten Minute in der Nase wie beleidigt-zurückgezogen, kurzzeitig dumpf, joghurtartig wirkend, dann aber gleich wieder ganz auf der Höhe des Geschehens, mit etwas matterer, dafür aber wärmerer Frucht. Insgesamt ein schöner Bikavér, der sicher noch mindestens drei Jahre Entwicklung ins Positive vor sich hat.
Wein: Négykezes Bikavér Válogatás 2007
Weingut, Ort: Halmosi Pincészet
Rebsorte/n: keine Ahnung, mit Sicherheit ist aber Kékfrankos beteiligt, wohl auch Kadarka und mindestens eine internationale Sorte
Alkoholgehalt: 14,5%
Preis: 11,60 EUR (3.200 Ft.)
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