Nach dem Furmint von der Somlói Apátsági Pincészet blieb mir nicht anderes übrig, als mit den Rotweinen weiter zu machen. Kaum ein Weißer hätte diesem Kraftprotz noch nachfolgen können.
Eine Fassprobe, wie sollte es auch anders sein. Noch trüb durch Feinhefe. Noch sehr schwach ausgeprägtes Bouquet, kräuterige Noten, Erdbeeren, rote Johannisbeeren. Auch am Gaumen mit Kräutern, nur schwach wahrnehmbaren Säuren, ebenso schwache rote Frucht, kühl, zurückhaltend. Noch zu früh um etwas sagen zu können.
Die zweite Fassprobe. Schon deutlich zeigefreudiger, in der Nase Milchschokolade, Sauerkirschen und die Légli Géza-typische kräuterig-wilde Holzaromatik, teils auch durch den Einsatz von Akazienfässern in eine außergewöhnliche Richtung getrimmt. Am Gaumen frische Frucht von roten Kirsche, die derart substanziell ist, dass man fast reinbeißen kann. Ansonsten aber noch recht gedeckt, alle anderen Hebel noch nicht eindeutig gestellt. Grundsätzlich eher rund und weich und fruchtbetont, ein wenig (noch) kantig wirkendes Holz, mittlerer Körper. Könnte interessant werden.
Ein echter Légli Géza, so wie ich ihn kenne und schätze. In der Nase dunkelrote-schwarze Früchte, rauchig-speckige Holztöne, halbtrockene grüne Kräuter. Am Gaumen mit animalischen Zügen, feste Frucht aus Holunder, Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, feiner Säureeinsatz, warmes, gut eingebettetes Holz. Kompakt, nicht allzu breit, mittlerer Abgang.
Seit neuestem wird in der Produktpalette von Weninger bei den Einstiegs-Blaufränkisch unterschieden zwischen dem „Sopron“ (reduktiv im Edelstahltank ausgebaut) und dem Balf (in Holz ausgebaut). Der 2008er Sopron ist ein von seiner Frucht geprägter, schön gelungener, typischer Blaufränkisch aus (eben) Sopron. Lakritz und Sauerkirscharomen in der Nase. Am Gaumen eher schlank, dabei warm und weich, mit feiner Kräuterwürze und klaren, im Hintergrund begleitenden Säuren. Im Vordergrund eine schöne, klar strukturierte Frucht aus roten und schwarzen Kirschen. Mittlerer Abgang.
Der erste in den Verkauf gelangte „Balf“, benannt nach dem Ort am Neusiedler See, in dem sich auch das ungarische Weingut von Weninger befindet. In der Nase schwarze Johannisbeeren und Holunder, daneben etwas warmes Holz und zarte Vanilleanklänge. Am Gaumen durch den Holzausbau deutlich kräftiger als der Sopron, dennoch zivilisiert, sehr wohl gezähmt daher kommend. Schlanker bis mittlerer Körper, auch hier Aromen von schwarzen Kirschen, klare Säuren und warmes Holz mit fein adstringierenden Gerbstoffen. Ordentliche Länge.
Morgen dann Notizen zu einigen Rotweinen von Szecskő Tamás (Mátra) und Ráspi (Sopron).
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