Fortsetzung der Notizen von der gestrigen Verkostung…

Somlói Apátsági Pincészet, Somlóvásárhely (Somló)

Auch wenn das Weingut nach der ehemaligen Abtei von Somló benannt ist, die drei Jungs die es führen sind keine Mönche. Und machen dennoch richtig schöen Weine. Sie sind sicherlich die Aufsteiger der vergangenen zwei Jahre am einsamen Vulkankegel Somló. Die meisten Weine werden mit mal mehr, mal weniger deutlich spürbarer Restsüße ausgebaut. Das kann auch mal jemandem nicht passen. Daneben fällt noch auf, dass leider auch die nicht-Mönche bisweilen sich in zu hochprozentige Alkoholhöhen verlaufen. Jenseits von 14% Vol. kommen bei Weißweinen auch die höchsten Extraktwerte und schönsten Säure kaum mehr gegen Gebruder Alk an. Man nimmt ihn wahr und das heißt, als störend. Unabhängig davon ist aber jeder Wein der Somlói Apátsági Pincészet ein Trinkerlebnis, voll, dicht, mit reifer Frucht, Extrakten und viel Souveränität.

Juhfark 2008

Goldgelb im Glas. Aromen von überreifen Quitten und kühlen Champignons in der Nase, feinste mineralische Töne. Am Gaumen dicht, komplex und gleichzeitig doch filigran, nicht schwerfällig. Schöne klare Säuren, in Einklang mit sanfter steinerner Mineralität, guter Restsüße und der Fucht von hellem Steinobst. Langer Abgang. Ein schöner, außergewöhnlicher Juhfark.

Tramini 2008

Wieder ein Traminer, diesmal eher mit Litschi-Nase. Am Gaumen dann Rosenwasser, deutlich feiner, weniger dicht als der Juhfark. Reife Frucht von Litschi und roten Äpfeln wird von erstaunlich mächtigen Säuren begleitet. Ausgesprochen eigenständiger, von einer kräftigen Mineralität geprägter Abgang.

Hilla Cuvée 2007

Furmint, Hárslevelű, Juhfark. Feuerstein-Töne, Aprikosen Heu und Stroh in Nase. Am Gaumen rund, extraktreich, mit schön ausgewogenem Säure-Frucht-Spiel. Überreife Äpfel und Birnen und Honig-Töne, weniger  mineralisch als die anderen beiden. Dafür aber mit einem Tick zu viel Alkohol, der nicht zu übersehen ist. Schade, ansonsten wirklich gelungen.

Furmint 2007

Ein außergewöhnlicher Furmint, fast Bernsteinfarben im Glas. Rosinen und Spuren von grünen Äpfeln in der Nase, dazu eindeutig Botrytis und gar Petrol-Töne. Diese finden sich auch am Gaumen wieder, sehr zarter Schmelz, fast schon ölige Textur, dicht und breit. Ein kleines Ereignis.

Szentesi Jószef, Budaörs (Etyek-Buda)

Was Szentesi da präsentiert, verdient Respekt. Die gesamte, inzwischen erstaunlich breite und meiner Meinung nach fast schon etwas übertrieben breite Produktpalette (zumindest eines der Weißwein-Cuvées könnte man schmerzlos streichen) überzeugt ohne jegliche Abstriche durch solide, hohe Qualität und einer klaren Handschrift eines Erzeugers, der ganz genau weiß was er möchte: sortentypische Weine erzeugen, die von ihrer Herkunft sprechen ohne dabei eigenbrötlerisch, weltfremd rüber zu kommen. Man muss den Hut ziehen.

Szentesi macht schlichtweg die besten Rieslinge, die es in Ungarn gibt. Das heißt einerseits nicht viel. Man muss vielleicht noch hinzufügen, dass der Abstand zur landesinternen Konkurrenz sehr groß ist. Und dass der von den klimatischen Bedingungen (deutlich wärmer als in Deutschland) geprägte Stil, auch für deutsche Riesling-Fans interessant sein kann, sollte.

Nadapi Rajnai Rizling ‘Bátyus’ 2008

Halbtrocken ausgebaut. Aprikosen und Apfelaromen in der warmen Nase. Cremige, den Gaumen umschmeichelnde und ihn einnehmende Textur. Reife Frucht aus Äpfeln und Birnen, fein stahlig, extraktreich, lang. Schön.

Nadapi Rajnai Rizling 2007

Mineralischer als der 08er. Grüne Äpfel und Pfirsich in der Nase. Am Gaumen mit Botrytis-Aromen, auch hier Pfirsich, zudem Honig. Fest, extraktreich, geradlinig, lang. Auch sehr gelungen

Nadapi ‘A’ Cuvée 2008

Ezerjó, Zengő, Grüner Veltliner und Riesling. Warmes, dennoch etwas schüchtern zurückhaltend wirkendes Bouquet, traubig, halbtrockene Gräser. Am Gaumen grüne Äpfel und vor allem Birnen, auch hier wieder zart schmelzige Textur dank einer gewissen Restsüße (obwohl als trocken ausgelegt, vielleicht Alkoholbedingt, kenne leider den Anteil nicht), daneben schöne, weiche Säuren. Im Abgang jedoch recht schnell wegbrechend.

Nadapi ‘B’ Cuvée 2008

Habe vergessen zu erfragen, aus welchen Zutaten das B-Cuvee besteht. Händler meines Vetrauens, sag’ es mir doch bitte. Warmes Birnenkompott in der Nase. Am Gaumen feiner und dichter als die ‘A’-Version, feine, stählerne Säuren, straff ausgerichtet, rund abgestimmte Frucht aus Birnen und Aprikosen. Mittlerer Abgang.

Nadapi Zengő 2008

Grüne Zitrusfrüchte und Honigtöne im ansonsten gedeckten, verhaltenen Bouquet. Etwas aufdringlich am Gaumen, druchaus mit Fülle und Kraft, leicht matte Säuren, Frucht vor allem aus überreife Stachelbeeren, auch Kiwi, Kapern. Mittlerer Abgang. Schön, wenngleich auch nicht mein Fall.

Morgen geht es dann zu den Roten über, von Szentesi, Szabó – und Gróf Buttler.

2 Antworten

  1. Das liest sich wirklich sehr gut. Es sind wieder einmal sehr ausgefallene Weine dabei. Aber den Erfahrungen nach, die ich bisher gemacht habe, ist Ungarn dafür bekannt.
    Ich habe sofort meinen Weinhändler kontaktiert. Den ein oder anderen Wein werde ich auf jeden Fall probieren.

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