Othello

Bin durch einen mir gänzlich unbekannten Weinhändler an eine Flasche Othello gekommen. Die rote Rebsorte (Vitis labrusca × Vitis riparia × Vitis vinifera) darf heute offiziell nur noch als Tafeltraube ausgebaut werden, war aber in Zeiten des Sozialismus sehr beliebt. So manch eine Familie vinifizierte sich aus der leicht zu handlenden Rebe ihre Jahresration Rotwein – bis sich irgendwann zeigte, dass sie unangenehme Nebenwirkungen zeigte. So manch ein langjähriger Othello-Genießer war im fortgeschrittenen Alter nicht mehr ganz klar bei Verstand. Deshalb kam Othello auf die rote Liste jener Reben, aus denen nicht mehr Wein gekeltert werden durfte.

Wie das mit Verboten so ist, wenn sie mal existieren werden diese auch gerne umgangen oder schlicht missachtet. Und so vinifiziert noch heute manch einer seinen Hauswein aus Othello. Entsprechend bekam ich die Flasche ohne Etikett, diskret als Geschenk überreicht.

Mittleres Purpur. In der Nase zurückhalten, Himbeeren, Erdbeeren, auch etwas feuchte Wiese. Am Gaumen verhaltene Säuren, frische Frucht aus roten Früchten, schlanker Körper. Gut trinkbarer, schlichter Alltagswein. Nicht dass der Markt danach schreit, aber je nach Lust und Laune ist das einfache fruchtbetonte Weinchen schon bisweilen eine Sünde wert.

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