Der Jahrgang 2009 in Ungarn: Mátra

Die Lage "Úrráteszi" von Losonci Bálint (© Losonci)

Die Lage "Úrráteszi" von Losonci Bálint (© Losonci)

Das Jahr 2009 begann mit dreiwöchigem Frost in der Mátra. Da absolute Minus-Spitzen jedoch ausblieben, das Andauern des Frostes sich in den normalen Grenzen hielt – das Anbaugebiet ist eines der kühlsten Ungarns – und ein durch Minusgrade bedingter Tiefschlaf der Vegetation insgesamt gemeinhin nicht schadet, sondern sogar notwendiger Bestandteil des Jahreszyklus ist, fiel der Einstand ohne Schäden aus. Der vorübergehende Frost bindet die Nässe im Erdreich, was für die Winzer auf den weicheren Böden deutlich erschwerte Arbeitsbedingungen mit sich bringt. Der erste Rebschnitt im Jahr gestaltete sich daher vielerorts als überaus mühsame, schlammige Aufgabe.

Der richtige Frühling begann mit einer unerwarteten Erwärmung. Für was die Rebstöcke ansonsten drei bis vier Wochen benötigen, die erste Knospenbildung und das Einstellen der „Blutungen“ an den Schnittstellen, dafür reichte in diesem Jahr gerade einmal eine Woche, so schnell stiegen die Temperaturen und forcierten die Prozesse. Direktes Ergebnis der schnellen Erwärmung war ein schöner Austrieb der Rebstöcke im Mai. Die Zwischenzeit fiel recht trocken aus. Erst im Juni kam es wieder zu bedeutenderem Niederschlag. Die lehmige Erde der Weinregion bindet jedoch die Feuchtigkeit gut genug, so dass auch ein-zwei regenfreie Monate unproblematisch für die tief wurzelnden Pflanzen sind.

Niederschlag kann in dieser Jahreszeit im Grunde lediglich in der Blütezeit zu einem ernstes Problem werden, ist in jedem Fall nicht zuträglich für die weitere Entwicklung. Sorgen bereiteten den Winzern der Regen in diesem Jahr genau aus diesem Grund, der Austrieb der Blüten wurde davon teils jäh unterbrochen. Dies betraf in größerem Umfang die frühen Sorten und die allein auf Quantität setzenden Weinbauern, die ihr Traubengut vielfach weiterverkaufen. Die Reife der Frucht im Sommer war dann wieder von einer unbekannt trockenen, niederschlagsarmen Phase geprägt, die – ein paar kurze Schauer ausgenommen – schier unendlich lange, bis Anfang Oktober anhielt.

Lange schien es demnach so, als ob der Sommer gar kein Ende finden wollte. Dann wurde es in der zweiten Oktoberwoche plötzlich kühl und regnerische Tage begannen. Bis dato war der Sommer ausgesprochen warm, jedoch ohne extreme Hitzeperioden. Die hohe, lang anhaltende Anzahl an Sonnenstunden sicherte einen nahezu optimalen Reifeprozess der Beeren, insbesondere was die späten Sorten anbelangt. Das Traubengut war in einem derart gesunden Zustand, dass auch der Oktoberregen ihm nichts anhaben konnte. Einziger Nachteil war, dass auch die Vögel den relativ höheren Zuckergehalt bewusst wahrgenommen und schnell zu schätzen gewusst hatten…

Die Weinlese in der Mátra ist stärker als andernorts geprägt von zwei Schüben. Jene Winzer, die ihr Traubengut weiterverkaufen und daher mehrheitlich auf Masse statt Klasse setzen, ernten möglichst früh, um etwaigen Wetter Unbilden zuvor zu kommen. Die Qualitätswinzer hingegen müssen das Risiko in Kauf nehmen und lassen Ihre Beeren möglichst lange am Stock.

Der Pinot Noir wurde bei Losonci Anfang September eingeholt. Mit dem Rest begann Bálint Anfang Oktober, hatte jedoch am Ende des Monats immer noch Kékfrankos (Blaufränkisch) im Weinberg, da er mit den Säuren nicht zufrieden war. Karner Gábor und Benedek Pince waren Ende Oktober fertig, während der vermeintlich bedeutendste und bekannteste Erzeuger der Mátra, Németh Attila Gábor, noch zwei Drittel der Ernte draußen hatte in der Hoffnung auf ein paar letzte warme Herbsttage.

Fazit: das Jahr 2009 hat die Winzer der Mátra mit außergewöhnlich gesundem Traubengut beschenkt. Zwar gingen die Mengen zurück, die Qualität aber dürfte wirklich gut sein. Der Jahrgang 2009 wird wohl eher als untypisch in die Geschichte eingehen, da die duftigeren Sorten, die in den vergangenen Jahren lokal stark auf dem Vormarsch waren, ihre Aromen in der Hitze Anfang September verloren. Für die Rotweine hingegen war der Herbst ideal.

Quelle: vinoport.hu

Jahrgang 2009 in Badacsony

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2 Antworten auf “Der Jahrgang 2009 in Ungarn: Mátra”

  1. [...] kürzlich zuvor eingestellten Jahrgangsbericht folgt ein Wein aus dem Vorjahr aus der Mátra. Zitronengelb im Glas. In der Nase Veilchen, [...]

  2. [...] Der Jahrgang 2009 in der Mátra Der Jahrgang 2009 am Badacsony Bookmark: [...]

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