Verkostung der aktuellen Weine von Ákos István (Sopron)

Am Montagabend hatte Ákos István zur Präsentation seiner Weine in das kleine aber feine Restaurant “Apropo” im 1. Bezirk in Budapest geladen. Mit Einsprengseln über seinen bewegten Lebenslauf – vom Verlassen Ungarns 1956 über seine Karriere als Journalist hin zum erfolgreichen Bierbrauer – und einigen treffenden Auslassungen über das heutige Ungarn aus der Sicht eines in Basel lebenden Emmigranten, schuf er einen angenehmen, unterhaltsamen Rahmen.

Die Weine selbst wurden von Lukács Szabolcs vorgestellt, Ungarns Sommelier des Jahres 2007, der Ákos nicht nur beratend zur Seite steht, sondern auch für das jüngste Mitglied des Wein-Portfolios, dem ganz am Ende präsentierten Réthly Cuvées verantwortlich zeichnet. Zudem kann Ákos im Weinberg und beim Ausbau seiner Weine auf die Hilfe und die Infrastruktur des bekanntesten Soproner Weingutes, auf Weninger zurückgreifen. Auf 4,2 Hektar über drei Lagen verteilt, darunter die Top-Lage Spern Steiner,  finden sich 22.000 Rebstöcke. Die Sorten Kékfrankos (Blaufränkisch), Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon, Zweigelt und Királyleányka angebaut – seit 2006, dem Vorbild Weninger folgend, auf biodynamische Weise. Der Királyleányka stand zur Verkostung leider nicht mehr zur Verfügung.

Zweigelt 2007

Erst vergangene Woche abgefüllt und jetzt schon zum Verkosten bereit gestellt – Mut, der belohnt wird, wie sich zeigen wird, denn die Abfüllung ist ihm nicht anzumerken. Mittleres Rubinrot. In der Nase schon präsent, klassische Nase mit Sauerkirschen und schwarzen Kirschen. Am Gaumen schöne Frucht und angenehm mineralische Säure, die dem Zweigelt in ein-zwei jahren richtig gut stehen wird. Auch hier beherrschen Kirschen den Gesamteindruck, daneben Spuren von Feigen, feines warmes Holz im Hintergund. Kurzer bis mittlerer Abgang. Noch jugendlich frisch, aber schon ihn klare Bahnen geleitet. Schöner Start.

Syrah 2007

Auch erst vergangene Woche auf die Flasche gezogen. Ebenso mittleres, einenTick trüberes, dichteres Rubinrot. In der Nase die Syrah-typischen Petrol-Töne, verbranntes Gummi, was mir persönlich immer gut gefällt. Daneben schöne Würze, dunkle Trockenfrüchte. Am Gaumen dann doch etwas enttäuschend, flach, körperarm. Aber gut trinkbar, meint nicht kompliziert, würzige dunkle Frucht, gut eingebundene Säuren, feines Tanningerüst, kurzer bis mittlerer Abgang.

Kékfrankos Spern Steiner 2006

Noch eine Spur trüber, intensiv leuchtendes Rubinrot. In der Nase im ersten eindruck enorm präsent, aus dem Glas drängende Frucht von Kirschen, feine Vanilletöne. Setzt sich mit der Zeit, dann treten auch weiche Holzaromen hervor. Am Gaumen dann deutliche, für Sopron und die Lage Spern Steiner typische Mineralität, die durchweg präsent sind, kräftig würzig, gekochte Sauerkirschen, nach einiger Zeit auch etwas Nougat. Am Gaumen recht breit und trotz Würze und Mineralität nicht kantig, sondern ausgewogen. Mittlerer Abgang. Ein schöner, für Sopron typischer Blaufränkisch.

Merlot 2007

Mittleres bis helles Rubinrot. In der Nase spannend, auffallend durch würzig-erdige Noten, geäucherte Kräuter, tiefdunkle Früchte. Am Gaumen ausgesprochen warm, feine Würze, frisch und doch komplex wirkende Frucht aus Brombeeren und Johannisbeeren, die beim Nachverkosten am Ende etwas abfällt, angenehm leicht adstringierend, noch etwas mehr Körper wäre wünschenswert, mittlerer Abgang.

Soproni Cuvée 2007

Wird in der Schweiz aus Marketinggründen unter dem Namen “Triple A”, also dem Top-Rating “AAA” folgend, verkauft. Rubinrot. Noch etwas gedeckt und kühl in der Nase, fein rauchig, rote Früchte. Am Gaumen sehr weich, deutlich filigran gebaut als ich erwartet hätte, schöne Frucht aus reifen Zwetschgen und Erdbeeren. Mehr als gefällig, jedoch fehlt der Druck. Entwickelt sich aber ansonsten sicherlich noch mit der Zeit. Mittlerer Abgang.

Soproni Cuvée 2006

Feinrauchig kühl in der Nase, interessante animalische Note, nasses Fell, leicht metallische Mineralität deutet sich schon hier an. Und findet sich am Gaumen wieder, neben einer ungemein frischen Frucht aus Heidelbeeren und schwarzen Kirschen. Dazu schöne Säuren und gut eingestellte Gerbstoffe, schön aufeinander abgestimmt, rund. Mittlerer Abgang. Wirklich ansprechend.

Réthly Cuvée 2007

Zum erste Mal aufgelegt, mit 40% Cabernet Sauvignon, 40% Syrah und 20% Merlot. Für mich der schönste und individuellste Wein des Abends. Intensives Rubinrot. Schon anfänglich in der Nase außergewöhnliche Assoziationen – zumindest für einen Rotwein:  Apfelkuchen und Zimt,  dann sich zu fein-grünen Aromen verändernd, Limette, daneben Milchschokolade, leicht vegetabile Töne und junge rote Früchte. Am Gaumen frisch und doch geschmeidig, nicht allzu breit, dafür aber auf einem schmalen Grat ungemein voll, konzentriert. Schön eingebundene Mineralik, fein adstringierend. Dunkelrotes Obst, feine Minzaromen, dem mittleren Abgang zu auch Aprikosenaromen. Schön!

Im Rückblick und mit einem Tag Distanz fühle ich mich in meiner ersten Bewertung bestärkt, derzufolge der Zweigelt, das 2006er Cuvée und das Réthly Cuvée in der ansopnsten geschlossen auftretenden Reihe  gelungener, schöner Weine hervorzuheben sind. Der Zweigelt dank seiner makellosen jugendlichen Frische und seines schönen, sortentypischen Ausbaus. Das 2006er Cuvée als etwas gereifter, runder Wein und das Réthly Cuvée durch seien Eigenständigkeit. Hier darf man auch gespannt sein, wie es sich in den kommenden fünf sechs Jahren entwickelt. Auch der Spern Steiner Kékfrankos ist als klassischer Vertreter Soprons noch positiv zu nennen, beim Syrah und Merlot war meine Nase mehr angetan als mein Gaumen, was nicht heißen soll, dass die Weine gut zu trinken sind und alle zu vernünftigen Preisen angeboten werden.

Zur Internetseite von Ákos István

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