
Auszeichnungen gibt, die wirklich keiner braucht: Wein der (Tiefebenen-)Stadt Kecskemét, wie aussageträchtig ist das denn?
Auf der Flasche steht Dunántúli Borrégio, ein ziemlich unpräziser Herkunftshinweis, der die gesamte Große Tiefebene umfasst. Aber vermutlich damit zu tun hat, dass der deutsche Riesling dort nicht offiziell angebaut werden darf. Vom Weingut “Gedeon Birtok” hatte ich bislang nichts gehört und also auch nichts getrunken. Aber man ist ja offen und umso offener, wenn es um Riesling-Versuche geht. Süß-fruchtiges Boquet aus Pfirsich und getrockneten Aprikosen. Am Gaumen dann sehr matt, fast gänzlich fehlende Säuren verderben den Trinkspaß und machen einem das Leben insgesamt schwer. Frucht ist vorhanden in Gestalt von Banane und Pfirsich, auch Honig-Karamell-Töne zeigen sich, aber ein Gerüst, ein Rückgrat fehlt und so ein kraftloser, der Schwerkraft gänzlich ergebener Weißwein auf der Zunge. Man muss, man solte nicht überall mit Gewalt es mit Riesling versuchen.
Wein: Rajnai Rizling 2008
Weingut, Ort: Gedeon Birtok, Izsák
Alkoholgehlat: 12% Vol.
Preis: um die 1.000 Ft, d.h. 3,60 EUR
Teil 1 der Riesling-Serie: Rhein Riesling 2008 von Villa Tolnay (Csobánc)
Teil 2 der Riesling-Serie: Dunántuli Rajnai Rizling Nadap 2008 von Szentesi (Etyek)
Tags: Alföld · Gedeon Birtok · Kunság · Rajnai Rizling · Riesling
Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Wir haben diesen Wein im Juni in unseren Bestand aufgenommen und unsere Kunden reißen ihn uns aus den Händen. Und warum; eben wegen der angenehmen Restsäure von 4-5 g/l und des trotzdem äußerst fruchtigen Geschmacks.
Unsere Kunden sind gottfroh, endlich wieder Riesling trinken zu können, statt Kundenzitat “Moselmagenkiller”.
Selbstverständlich sind die Geschmäcker verschieden und das ist auch gut so. Nur erwartet man von einem Riesling quasi die Säure im All-Inclusive-Sorglos-Paket – und daraus dann das häufig zitierte Spiel mit der Frucht. Genau das macht die Faszination der Rebsorte ja auch aus, ist ihre Stärke. Für mich stellt sich nur grundsätzlich die Frage, ob man ausgerechnet in der ungarischen Tiefebene Riesling anbauen soll bzw. muss… Solange es zufriedene Abnehmer gibt, dadurch gar eine Nische aufgetan wurde, soll es mir Recht sein. Zum Seitenhieb gegen Mosel-Rieslinge sage ich lieber nichts…
Aber darf man fragen, wo der Wein verkauft wird? würde mich einfach interessieren (gerne per Mail an peter.klingler@borwerk.de).
[...] (Csobánc) Teil 2 der Riesling-Serie: Dunántuli Rajnai Rizling Nadap 2008 von Szentesi (Etyek) Teil 3 der Riesling-Serie: Rajnai Rizling 2008, Gedeon Birtok (Kunság) [...]