Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II: Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)

Kadarka von Vylyan und Szt. Gaál

Kadarka von Vylyan und Szt. Gaál

Kadarka wurde und wird nach wie vor mit vielen Anbaugebieten in Verbindung gebracht. Heutzutage ist es vor allem Szekszárd, an das man zuallererst denkt, wenn von Kadarka die Rede ist. Dabei geht es schon lange nicht mehr um Kadarka als Hauptbestandteil des Szekszárder Bikavér, des Stierbluts. Sondern zumeist um reinsortig ausgebaute Weine mit eigenständigem, individuellem Charakter, die fast schon zum Standardrepertoire Szekszárder Winzer gehören. In keinem Anbaugebiet Ungarns wird der Kadarka so häufig angebaut, nirgendwo trägt er derart entscheidend zur Identität, zum Selbstverständnis des Winzers bei. Deshalb lag es auch nahe, die Vorstellung ungarischer Kadarka als Duell-Serie anzulegen, in der nach dem Bikavér-Duell einmal mehr auf der einen Seite ein Vertreter aus Szekszárd steht.
Die Herausforderer kommen aus fast allen Anbaugebieten Ungarns und auch von jenseits der heutigen ungarischen Staatsgrenzen. In Ungarn wird Kadarka nach wie vor in der Tiefebene angebaut. Auf jenen sandigen Böden, denen die Rebe in Zeiten der Reblausplage ihr Überleben verdankte. Noch 1965 war jeder dritte Rebstock in den Teilregionen Csengőd, Csongrád, Hajós, Kiskőrös, Soltvadkert und Vaskút ein Kadarka. Überdruchschnittlich oft trifft man auf sie in der Villány, weshalb auch in dieser Querschnittsverkostung einige Vertreter der Rotweinbastion zu finden sind.
Zwar gibt es dort, wo einst ihr Hauptanbaugebiet lag, in Tabán inmitten Budapests, keine Weinberge mehr. Und doch wird Kadarka zumindest noch vor den Toren Budapests, in Etyek-Buda, kultiviert – freilich in eher geringwertig einzustufenden Qualitäten. Den halbsüßen Ausbau von Nyakas wollte ich mir nicht antun. Langsam aber sicher im Kommen und damit dem großen Trend folgend, ist Kadarka auch verstärkt in der Rotweinregion Eger zu finden. Die vermeintlich besten kommen von Orsolya und Gróf Buttler, zwei meiner Duellanten. Bleiben noch die „Expatriots“ jenseits der Grenzen, im Süden, in Serbien und dort in der Vojwodina. Und im Südwesten, in Rumänien, nahe der Stadt Arad.

Vylyan, Villányi Kadarka 2006

Vylyan, Villányi Kadarka 2006

Villányi Kadarka 2006, Vylyan, Villány

Helles bis mittleres Rubinrot, deutliche braune Ränder. Interessante, bereits schön Nase, gereifte medizinische Noten, alkoholisch, Tabak, dunkle Trockenfrüchte, am Gaumen dominieren Säuren, daneben Sauerkirscharomen, deutlicher, aber nicht übertriebener Holzeinsatz, in der Mitte breit, anfangs und gegen Ende jedoch recht schlank. Mittlerer Abgang. Ordentlich, insbesondere durch den Holzeinsatz in der Nase und am Gaumen doch interessant.
Wein: Villányi Kadarka 2006
Weingut, Ort: Vylyan, Kisharsány
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 9,50 EUR (2.590 Ft)
Internet: vylyan.hu

Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pincészet, Szekszárd
Szt. Gaál Pincészet, Kadarissimo 2006

Szt. Gaál Pincészet, Kadarissimo 2006 (bitte schlechte Label-Qualität zu entschuldigen, habe den so geliefert bekommen...)

Helles Rubin, deutliche Schlierenbildung. Anfangs verhalten, dann schält sich mit zunehmender Geschwindigkeit vor allem der Alkohol heraus. Daneben Spuren von Leder, trockenem Laub, Vanille, ein wenig rote Früchte. Im Mund wie ein Amarone – nur ohne Körper und Frucht, allenfalls Coganckirschen und leicht adstringierend, der Alkohol (14,5% Vol.!!!) überlagert alles, was es gibt oder einstmals gab oder auch nie gab. Mittlerer Abgang, der durch Säuren und abermals Alkohol gekennzeichnet ist.

Wein: Kadarissimo Szekszárdi kadarka Kadarka 2006
Weingut, Ort: Szt. Gaál Pincészet, Szekszárd
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 14,5% Vol.
Preis: 8,20 EUR (2.250 Ft)
Internet: sztgaal.hu

Ich hatte beide Weine auf etwa 15-16 Grad temperiert und im Freien bei etwa 22 Grad Umgebungstempertaur getrunken. Der Temperaturanstieg tat beiden nicht gut, dem Kadarissimo überhaupt nicht. Vermutlich nur dann erträglich, wenn man ihn auf mindestens 13 Grad runterkühlt. Ich mache das zumeist auch, ebenso wie ich erstklassige Weißweine, v.a. Furmint, lieber etwas wärmer trinke. Aber das will nicht jeder und warum sollte man das auch unbedingt mit einem Rotwein tun müssen?
Szekszárd vs. Rest der Welt: 1:1

Einleitung und Teil eins der Kadarka-Duell-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)

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