Nach über dreißig verkosteten Weinen konnte und wollte ich nicht mehr weiter machen, zumindest nicht ernsthaft weitere Weine verkosten. Schon so war es aus zweierlei Gründen ein schwieriges Unternehmen. Zum einen, weil die Räumen nicht klimatisiert waren und nicht nur die fühlbare Temperatur der Besucher, sondern logischerweise auch die tatsächliche Temperatur der Weine stetig am steigen war. Schade, denn die Veranstaltung fand in einem neuen, für Büroräume konzipierten gebäude Gin der Budapester Innenstadt statt. Klimaanlage gab es also sicherlich, nur war sie nicht eingeschaltet, was mir völlig unverständlich war. Wie soll man sich ernsthaft mit Rotweinen beschäftigen, wenn diese 24 bis 26 Grad warm sind?
Zum anderen war es auch ein schwieriges Unternehmen, weil ich bislang noch auf keiner Verkostung so viele Top-Weine von namhaften Winzern offen vor mir hatte. Im Grunde genommen war zumindest aus Szekszárd alles vor Ort, was Rang und Namen hatte und auch aus Villány fehlten nur einige große Namen. Ich hätte gut und gerne noch weitere 20 Weine probiert, konnte es rein physisch aber nicht mehr. Umso erstaunlicher und unverständlicher war jedoch, dass die offenen Weißweine qualitativ deutlich unter den Roten lagen. Keine Ahnung warum. Genauso wenig, warum die VinAgora Benotungen mir in sich nicht stimmig erschienen, insbesondere im Quervergleich Weiß-Rot.
Insofern an dieser Stelle keine weiteren Anmerkungen zu den Weißweinen. Die verkosteten Roten aus Szekszárd zeigten sich durchweg auf ungefähr derselben qualitativen Höhe. Es handelt sich in allen Fällen und schöne, qualitativ hochwertige Cuvées, mit denen sich Ungarn ohne Scheu auch international sehen lassen kann, auch weil der Stil in vielen Fällen sich dem internationalen Geschmack deutlich angenähert hat. Wir reden hierbei zwar in vielen Fällen von den jeweiligen Top-Weinen der einzelnen Winzer, die bei VinAgora 82-84 Punkte bekommen haben. Auch wenn ich selbst der Meinung bin, dass zu viele Leute zu schnell sich anmaßen, Punkte zu verteilen und ich mich selbst nicht reif, nicht “ausgebildet” oder sagen wir erfahren dafür halte. Dennoch hätte man in machen Fällen gut und gerne auch 86-88 Punkte vergeben könnten. Ein Stück weit heraus ragend aus der ansonsten im Bereich 18-22 EUR liegenden Wein-Querschnittsgalerie und mir daher an dieser Stelle eine Zusatznotiz wert, sind sicher die beiden Cuvées von Heumann.
Wir reden jedoch nicht von der nationalen Spitze, von der bei den Cuvées lediglich zwei Vertreter vor Ort waren, beide aus Villány, Sauska und Bock. Nachdem ich längere Zeit keine Weine von Bock mehr getrunken und in der Vergangenheit eher schlechtere Erfahrungen gemacht hatte, muss ich schon unterstreichen, dass das Capella Cuvée ein schöner Wein ist. Sicher etwas hochpreisig, aber gut. Am meisten gefallen hat mir dann aber doch das Cuvée 5 von Sauska, was ich persönlich als so etwas wie eine Wiedergutmachung nach der teilweisen Enttäuschung beim Besuch des Weingutes sehen kann, sehen möchte.
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