Teil I der Verkostung mit Einstiegsartikel und Notizen zum ersten Tokajer Pezsgő und zu Sec und Demi Sec hier

Lapis Furmint 2008

Rebsorte/n: 90% Furmint, 10% Hárslevelű
Lagen: 100% Lapis
Alkoholgehalt: 11,5% Vol.
Sonstige Angaben: 60 g/l Restzucker, 7,5 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 225l Eichenfässern über fünf Monate

Den Lapis Furmint möchte Anthony Hwang als moderne Interpretation des Szamorodni verstanden wissen. Über den 2008er Jahrgang zeigt er sich glücklich, nennt ihn überaus gelungen. Er stammt vom höher gelegenen Abschnitt der Lage Lapis. Er ist schon jetzt schön präsent, fast schon gesetzt, obwohl er erst vor kurzem in der abgefüllt wurde. Mit leuchtend hellem Strohgelb im Glas, Duft nach Honig und überreifen Äpfeln. Wunderbar ausgewogen am Gaumen, schöne Frucht, feine, glasklar strukturierte, durchweg präsente Mineralität. Eine Spur von Kohelnsäure findet sich noch, die aber gewiss verschwinden wird. Mittlerer bis langer Abgang. Sehr schön.

Lapis Furmint 2007

Rebsorte/n: 80% Furmint, 20% Hárslevelű
Lagen: 100% Lapis
Alkoholgehalt: 11% Vol.
Sonstige Angaben: 52 g/l Restzucker, 6,7 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 225l Eichenfässern über fünf Monate

Etwas dunkler als der 2007er, klassische furmint-Nase aus reifen grünen Äpfeln, daneben deutliche Botrytis-Töne, Karamell und Butter. Im Mund voller, runder und weicher wirkend als der 2008er. Zarter, geschmeidiger, den Mundraum einnehmender Schmelz. Schöne Aromen von Honig und Quittengelée, gegen Ende allmählich aufbauende, angenehm kühle, steinige Mineralität. Mittlerer bis langer Abgang. Auch sehr schön.

Ilona Cuvée 2008

Rebsorte/n: 75% Furmint, 25% Hárslevelű
Lagen: Lapis, Becsek, Nyúlaszo
Alkoholgehalt: 11% Vol.
Sonstige Angaben: 195 g/l Restzucker, 7,3 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 225l Eichenfässern über sechs Monate

Das Ilona Cuvée hat Anthony Hwang nach seiner Frau benannt. Auch bei diesem Vertreter des 2008er Jahgangs zeigt sich die mineralische Note als durchgehende Konstante. In der Nase frische, unreife, leicht gewöhnungsbedüftige grüne Botrytis-Töne, die sich aber mit der Zeit auflösen und von Walnuss-, Bittermandel- und Feigenaromen abgelöst werden. Strohgelb im Glas. Pure Frucht von Orangengelée und Pfirsich, vibrierende, kräftige, feingliedrig und zugleich komplexe Säuren, die herrlich gegen die Süße anspielen. Warm, rund, gegen Ende zeigen sich auch Anklänge von Tabak und trockenem Laub. Langer Abgang. Das säurereichste Ilona Cuvée des Abends und daher für mich persönlich ein wahrer Genuß.

Ilona Cuvée 2007

Rebsorte/n: 70% Furmint, 30% Hárslevelű
Lagen: 100% Lapis
Alkoholgehalt: 10% Vol.
Sonstige Angaben: 162 g/l Restzucker, 7,3 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 2,25 Hektoliter Eichenfässern über fünf Monate

Dunkles Strohgelb. Stark und elegant zugleich. Feine Frucht aus Zitronenschalen, Ananas und Pfirsich, dezente Botrytis. Im Mund ist trotz identischem Säuregehalt durch den geringeren Restzucker die Säure deutlich weniger ausgebildet, steht begleitend im Hintergund, dadurch noch sanfter, weicher wirkend. Quitten und vor allem florale Töne. Langer Abgang. Das süßeste der drei vorgestellten Ilona Cuvées.

Ilona Cuvée 2003

Rebsorte/n: 70% Furmint, 30% Hárslevelű
Lagen: Becsek, Lapis
Alkoholgehalt: 11,5% Vol.
Sonstige Angaben: 190g/l Restzucker, 7,2 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 225l Eichenfässern über fünf Monate

Saftig, verführerisch. Helle Trockenfrüchte, Bortrytis-Nase, leicht alkoholisch, dennoch kühl und frisch wirkend. Am Gaumen schon jetzt schön gereift, sehr kremige, buttrige, fast ölige Textur, ein Früchtemix aus Apfelmus, überreifen Pfirsichen, daneben Zimt und Nelken, die Säuren fein im Hintergund, dezente Mineralik, langer Abgang. Das fruchtigste Ilona Cuvée des Abends.

6 Puttonyos Aszú „Lapis“ 2005

Rebsorte/n: 78% Furmint, 22% Hárslevelű
Lagen: 100% Lapis
Alkoholgehalt: 10% Vol.
Sonstige Angaben: 219 g/l Restzucker, 11 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 225l Eichenfässern über 28 Monate

Ausgerechnet der 6 puttige Aszú weist den höchsten Säuregehalt aller Weine des Abends auf: 11 g/l! Dagegen laufen aber auch 219 g/l Restzucker und die Integration beider in eine wunderschön ausgewogene Gesamtkomposition. Das Aszú-Flaggschiff von Királyudvar kam im April 2008 auf die Flasche und ist auch noch nicht erhältlich. Dunkles Strohgelb. In der Nase noch zurückhaltend, Aprikosen, Quitten, grüne Minze. Am Gaumen ist sie dann sofort präsent, die Säure, sehr schön, frisch und kräftig. Daneben deutliche, fein-rauchige steinerne Mineralität, Äpfel, süßer Ingwer, abermals Quitten und getrocknete Aprikosen, herrlicher Schmelz. Langer Abang. Schon jetzt ein reines Trinkvergnügen und gewiss mit viel Potential. Ein absolut außergewöhnlicher Aszú, auch aber nicht nur wegen seiner Säuren. Mal sehen, wie der eingepreist werden wird.

Weitere Notizen zu Aszús aus dem Jahgrang 2005 gibt es hier, und hier.

Fazit: beeindruckend, was Királyudvar für Qualitäten liefert, durchweg. Es macht einfach Spaß, die Weine zu trinken. Für mich schon jetzt eine Marke, der man quasi blind vertrauen kann und ggf. nur leicht enttäuscht wird, wenn der persönliche Geschmack nicht getroffen wird oder in einem schlechteren Jahr die Preise doch zu hoch erscheinen.

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