Ráspi und Weninger, Kékfrankos Selection

Ráspi und Weninger, Kékfrankos Selection

Der Zufall wollte es so, dass in diesen Tagen nicht nur BorWerk seinen ersten Geburtstag feiert, sondern auch ein anderes Blog, das sich mit ungarischen Weinen beschäftigt  – allerdings auf Englisch:  budapestdailyreview.com/wineguide/. Wir beide, L.  (er möchte anonym bleiben) und ich, haben uns früher oder später kennen gelernt und mit einem Schmunzeln festgestellt, dass wir auf ein und derselben Grundlage, nämlich einfach nur passionierter Weintrinker zu sein, quasi zeitgleich begonnen haben munter drauflos zu schreiben.  Um, und auch hier decken sich unsere Ansätze, uns kritisch mit ungarischen Weinen auseinander zu setzen, andere daran teilhaben zu lassen und so dem ungarischen Wein einen kleinen Dienst zu tun.

Anlässlich unserer Blog-Geburtstage verkosteten wir zwei Kékfrankos der gehobenen Qualität aus Sopron, der ungarischen Wiege des Blaufränkisch, von zwei der bekanntesten und besten Winzer der Gegend: Ráspi (Horváth József) und Weninger (inzwischen Franz, der Jüngere).

Ráspi, Kékfrankos Öreg Tőkék Szelekció, 2005

Erstaunlich hell im Glas, transparentes, klares Purpur. Schönes Boquet, sofort präsent, das sich mit der Zeit jedoch wandelt von: klasssichen Blaufränkisch-Kirscharomen, zu kräuterig, leicht medizinischem touch, Anklängen von Lorbeerblättern bis hin zu fein-nussigen Einsprengseln. Am Gaumen anfangs ungemein weich, mit fast lieblicher Süße, deutlichen Aromen von überreifen schwarzen Kirschen. Gegend Ende dominieren die kräftigen Säuren zu sehr, bricht die Frucht weg.  Schöner Abgang.

Weninger, Kékfrankos Selection Spern Steiner Barrique 2000

Etwa dunkleres Purpur als der Ráspi, mit ganz leichten bräunlichroten Einsprengseln. Und mal wieder weiß man, warum die Auseinandersetzung mit Wein so spannend sein kann. Eine ganz andere Aromenwelt strömt einem vom fünf Jahre älteren Kékfrankos von Weninger entgegen: zwar auch hier klassische Kirschnoten, daneben Zwetschgen, deutlich verhaltener, wärmer, in weiches, feines Holz eingebettet. Im Hintergrund dezente Spuren von Bitterschokolade und Vanille. Am Gaumen weicher, runder als der Ráspi. Kräftige, klar-strukturierte Tannine und Säuren geben einen schönen Körper, den nötigen Unterbau für die nach wie vor erstaunlich frische Frucht, dunkle Waldbeeren, fein würzige Kräuter. Schöner Abgang.

Ich hatte beim Weninger Angst, dass er schon seinen Höhepunkt überschritten hat. Dem war nicht so, er hätte sicher noch 2-3 Jahre vertragen. Dennoch war er schon schön gereift,

Weninger und Ráspi, Kékfrankos Selection 2000 bzw. 2005

Weninger und Ráspi, Kékfrankos Selection 2000 bzw. 2005

nach wie vor erstaunlich frisch und fruchtig und stellt im Vergleich zum Ráspi mit seinem vom Barrique geprägten Tannin-Unterbau einen schönen Beleg dafür dar, dass auch in Ungarn, östlich des Burgenlandes, das Potential für große Blaufränkisch internationalen Stils besteht.

Der Ráspi wiederum ist ein mustergültiger Beweis dafür, dass sortenreine Weine je nach Terroir und Winzerhand auch ganz anders interpretiert werden können. Zweifelsohne ein spannender, schöner Wein, bei dem insbesondere Bouquet und Frucht überzeugen und man dankbar ist, dass solch eigenständige Weinphilosophie konsequent  vorangetrieben wird und gerade in Ungarn viele treue Anhänger gefunden hat. Gleichwohl mangelte es ein wenig an Dichte, an Konzentration, wohingegen die  Säure etwas zu intensiv eingesetzt wurde. Genau jene kräftigen Säuren werden vermutlich auch ihm ein hohes Alter erlauben, störten mich letztlich aber dann doch ein wenig. Fürs internationale Parkett eigent er sich vermeintlich weniger, wobei es schon interessant wäre, ihn bei der einen oder anderen Verkostung zu sehen und auf die Reaktionen zu warten.

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