Vergangenen Donnerstag hatten elf Weingüter von Somló zur Präsentation des 2008er Jahrgangs geladen. Alles was Rang und Namen hat war da – und auch einige kleinere bzw. unbedeutendere: Csordás-Fodor Borház, Dénes Tibor, Fazekas András, Fekete Béla, Györgykovács Imre, Takács Lajos, Kolonics Károly, Kreinbacher Birtok, Laposa Pincészet, Somlói Apátsági Pince, Spiegelberg István, Szabó Pincészet, Szabóvári Pincészet, Szent Ilona Borház, Szent Márton Pincészet und Tornai Pincészet. Es war das dritte Mal, dass es zu einer solchen Jahrgangspräsentation kam, so dass man schon von einer kleinen Tradition sprechen kann. Wie jedes Mal, fand die Vorstellung im großen Saal des Festetics Palasts statt, dem Gebäude hinter dem Nationalmuseum, das unter der Woche die deutsche Andrássy Universität beherbergt.
Der Rahmen schien angemessen festlich. Schade nur, dass die Rahmenbedingungen eine professionelle Vorstellung der Weine unnötig erschwerten. So war kaum ein Wein richtig temperiert, was handwerklich schlecht und letztlich unverzeihlich ist. Auch folgten erstaunlich viele Besucher dem Ruf der Somlóer, was recht schnell zu schlechter Luft im Raum, unerträgliche Hitze und Gedränge führte. Bisweilen musste man darum kämpfen, um einzelne Weine überhaupt verkosten zu können.
Mit einem derartigen Andrang hatten die veranstaltenden Winzer wohl auch nicht gerechnet, jedenfalls waren bei vielen bereits eine Stunde vor Veranstaltungsende die Weine aus.
So bleibt aus meiner Sicht nur die Hoffnung, künftig wenigstens wohl temperierte Weine zu bekommen und im besten Fall den Zugang zu begrenzen, auch wenn es schmerzt und die Freude sicher groß und verständlich ist, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Interesse an Qualitätsweinen so groß ist.
Noch eine kurze Anmerkung zum Jahrgang 2008. Die Winzer hatten mit einem sehr trockenen Frühjahr und wahrhaft tropischen Zuständen im Sommer zu kämpfen, wo durchweg heftige Gewitter sich mit extrem heißen, schwülwarmen Phasen abwechselten. Dennoch konnten sich am Ende viele über recht hohe Zucker- und Säuregehalte freuen.
Traubig, mostig. Viel Säure, daneben unangenehme Bitterkeit, Orangen und Zitronenaromen, mittlere Tiefe. Korrekter Supermarktwein.
Noch nicht ganz entwickelt, leicht trüb im Glas. Traubenmost in der Nase. Fein, weich, dezent am Gaumen, ausnahmsweise nicht mineralisch. Leichte, etwas matte Säuren, Banane und Litschi, fast etwas seifig, aber nicht unangenehm. Interessanter, in diesem Umfeld außergewöhnlicher Stil.
Bouquet-Bombe aus gärenden Trauben und erhitztem tropischem Früchtekompott. Am Gaumen stark an Traubi-Soda erinnernd, einer ungarischen Limonade auf (vermeintlicher) Trauben-Basis. Sehr merkwürdiger Chardonnay, der ja immerhin schon seit fünf Monaten im Fass ist….?
Interessanter Olaszrizling mit sehr eigenständigem Charakter, zu eigenständiger, merkwürdiger Chardonnay, den man gegebenenfalls in einem Jahr mal interessehalber probieren sollte, um zu sehen, was aus ihm geworden ist.
Den 2007er Juhfark war bereits vor Weihnachten bei den Zwack Open überaus positiv aufgefallen.
Somló pur in der Nase, rauchig-steinige Noten, die klassische Mineralität. Auch im Geschmack wieder rauchig, angenehm leicht bittere Anklänge. Verhaltene Frucht, Banane und Ananas, etwas zu spitze Säuren. Aber schön, wird mit der Zeit sicher noch besser.
Schönes Bouquet, frisch, fruchtig, sehr präsent, vor allem Mandarine. Sicher mit gewissem Restzucker, halbtrocken, angenehm warme Frucht, nicht gerade komplex, gegen Ende dominieren die Säuren und verbleiben als unangenehmer Eindruck.
Mächtiges Bouquet, klassische Traminer-Noten, Marzipan und Rosenblätter – und vor allem alkoholisch. Am Gaumen das Kontrastprogramm, noch wenig entwickelt, zurückhaltend, flach, wenig Frucht und wenig Säure, letztere kommt dann sicher auch nicht mehr, woher auch. Schade.
Furmint, Hárslevelű, Juhfark vereint. Auch hier sicher noch Restzucker im Spiel. Verhaltenes Bouquet, frische kühle Frucht, Aprikose und Kiwi. Am Gaumen rund, ausgewogenes Säure-Frucht-Spiel, weniger mineralisch als viele Somlóer. Ein wenig fehlt es an Druck, an Komplexität. Aber ansonsten gefällig, elegant.
Morgen Teil II mit Hollóvár (Takács Lajos) und Györgykovács Imre
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