Wenn mich nach der langen, im Grunde wie immer nicht enden wollenden Verkostungsreihe heute jemand fragen würde: was macht Bikavér, was macht das ungarische Stierblut aus? Ist es wie eingangs angedeutet ein Chianti-artiges Cuvée ohne echte feste Regeln, ein leichter, fruchtiger, gut trinkbarer Wein, mit ordentlicher Tannin-Säurestruktur? Oder ist es ein sich dem Bordeaux-Stil annäherndes, komplexes Cuvée, das international antreten und zumindest positive Aufmerksamkeit erzeugen kann? Oder gar, wie es ein ungarisches Weinblog vor nicht allzu langer Zeit sich herbei wünschte, ein markanter ungarischer Wein, fruchtig, würzig, geprägt von seiner Herkunft, also mit Wiedererkennungswert?
Letzteres ist sicher Utopie, bis auf weiteres zumindest. Für viele gilt gewiss das erste, für die letzten drei bis fünf Vertreter meiner Reihe das zweite. Ein einheitliches Charakterbild mit eindeutigem wiedererkennungswert im Stil ist damit aber auch innerhalb der einzelnen Regionen, also in Eger und Szekszárd zu erkennen. Wo Bikavér draufsteht, weiß man also nicht, was drin ist, was einen erwartet. Ist das schlimm? Nun, für den normalen Weintrinker macht es den Einkauf zumindest nicht einfacher. Das Leben jener ungarischen Winzer, die unter der Überschrift Bikavér neue Kapitel schreiben möchten, macht dies auch nicht einfacher. Reputation als Einzelerzeuger mit dem Einzelprodukt ja, als universelle Marke eher nicht. Der Weg ist ohnehin der längere, schwierigere, mit mehr Störfeuer von unzähligen anderen Produzenten, Trends und Moden belegt.
Ein Blick zurück ist ja häufig auch ein Blick nach vorne. Was bleibt sind ordentlich bis sehr schöne Eindrücke und damit in der Summe eine zufriedenstellen, eine beruhigende Aussicht für die ungarischen Rotweine, die als Bikavér auch in Zukunft über die Ladentheke gehen werden. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass der heimische Markt schwieriger, weil dichter und damit härter umkämpft sein wird. Und fürs Ausland wird man sich doch noch was ausdenken müssen, in erster Linie preislich, und nicht nur aber vor allem auch marketingtechnisch.
Start einer neuen Serie / Einleitung
Duell I: Bikavér 2005, Juhász Testvérek, Eger vs. Bikavér Válogatás 2006, Szt. Gaál, Szekszárd
Duell II: Szekszárdi Bikavér 2006, Domaine Gróf Zichy, Szekszárd vs. Egri Bikavér 2005, Bolyki János, Eger
Duell III: Bikavér 2005, Gál Tibor, Eger vs. Vesztergombi Bikavér 2005, Szekszárd
Duell IV: Bikavér 2003, Vincze Béla, Eger vs. Bikavér 2006, Sebestyén Csaba, Szekszárd
Duell V: Bikavér Bikavér Reserve 2006, Mészáros, Szekszárd vs. áldás 2006, St. Andrea, Eger
Duell VI: Bikavér Reserve 2006, Takler, Szekszárd vs. Bikavér Reserve 2003, Thummerer, Eger
Duell VII: Egri Bikavér 2003, Demeter Csaba, Eger vs. Bikavér Selection 2004, Bodri Pincészet, Szekszárd
Duell VIII: Bikavér Nagy-Eged 2005, Gróf Buttler
Tags: Bikavér · Eger · Rotwein · Stierblut · Szekszárd