bw_duell_kleinThummerer Vilmos, Eger, und Takler Ferenc, Szekszárd. Zwei große Namen des jeweiligen Anbaugebietes. Beide sind schon lange aktiv und inzwischen breit aufgestellt, was ihr Angebot anbelangt. Beide bieten inzwischen rote Flaggschiffe an, die auf international getrimmt sind und auch als Kampfansage gegen die heimische Konkurrenz  aus Villány zu verstehen ist. Der eine, Thummerer, mit dem Vili Papa Cuvée schon seit langem. Der andere, Takler, mit dem reinsortigen Merlot Primarius, erst seit kurzem. Und beide haben bei alledem ihre Wurzeln nicht vergessen, haben dazu beigetragen, dass der Bikavér wieder Aufnahme gefunden hat im Kreis der anspruchsvollen Qualitätsweine. Erst recht mit den Reserve-Weinen. Insofern sind die beiden genau die richtigen Kontrahenten – nur bei

Bikavér-Duell: Thummerer vs. Takler

Bikavér-Duell: Thummerer vs. Takler

den Jahrgängen habe ich leider mal wieder mit einer großen Differenz zu kämpfen.

Thummerer Pince, Noszvaj (Eger)

Auf satte 80ha ist die Anbaufläche der Thummerer Pince gewachsen, seit das Familienunternehmen 1984 mit der Weinherstellung begonnen hat. Rund ein Fünftel der Reben sind weiß (Királyleányka, Chardonnay, Ottonel muskotály), der deutlich größere Anteil hingegen, wie üblich in der Region Eger, rot (Kékfrankos, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Pinot Noir, Blauburger). Der Wachstum auf den heutigen Umfang hat seinen Preis. Kürzlich konnte ich den Chardonnay von Thummerer kosten und musste konsterniert feststellen, dass ich den bei weitem schlechtesten Chardonnay dieses Jahres im Glas hatte.

Nichtsdestotrotz erzeugt Thummerer einige wirklich schöne Weine, die Bikavér Reserve dient da als gutes Beispiel. Erfolgreich ist er auch, exportiert als einer der wenigen Ungarn in verschiedene Länder, darunter die Schweiz, Belgien, Polen, Frankreich und Deutschland. Aber die Konkurrenz ist insbesondere in den vergangenen fünf Jahren größer geworden, so dass meiner Meinung nach auch ein renommiertes Weingut wie das von Thummerer sich anders wird positionieren müssen. Mehr Lagenweine, weniger vermeintliche Pflichtübungen wie den Chardonnay – oder wenn ja, dann eben anders.

Aber mit was hatte ich es zu tun: mit einer aus den besten Anbaugebieten von Eger, Novaj und Tekenőhat, stammenden Bikavér Reserve aus Kékfrankos, Cabernet Sauvignon, Merlot und Blauburger. 18 EUR (4.470 Ft), Vol. 13,5%

Thummerer Bikavér Reserve 2003

Thummerer, Bikavér Reserve 2003

Thummerer, Bikavér Reserve 2003

Purpurfarben bis rubinrot, leichte braune Einsprengsel. Etwas rauchiges Bouquet mit würzigen Kräutern,  dunklem Steinobst und Vanille. Zeigt sich schon schön entwickelt, allzu lange würde ich ihn nicht mehr lagern. Am Gaumen schön rund, Marmelade aus roten Kirschen und Spuren von reifen Äpfel, auch schwarze Johannisbeeren. Etwas heftige Tannine in Gestalt von feuchtem Holz, die gegen Ende zu dominant werden. Anklänge von Moos. Recht langer Abgang.

Anbaufläche: 80ha
Lage/n: Áfrika, Vidra Mészhegy (alle bei Eger), Tekenőhat, Kőkötő, Csokás (bei Noszvaj) und Juszalagos (Novaj)
Adresse: Szomolyai út, 3325 Noszvaj
Internet: www.thummerer.hu

Takler Pince, Szekszárd

Takler – das steht in Szekszárd exemplarisch für den klassischen, alteingesessenen Familienbetrieb, der der den Sprung in die Gegenwart nach einigen Schwierigkeiten überaus erfolgreich gemeistert hat. Seit über 200 Jahren sind die Taklers bereits als Winzer vor Ort. Nachdem ihnen Ende der 1970er Jahre aus politischen Gründen ihr Bauernhaus weggenommen wurde, starteten sie nach der Wende quasi von Null. Drei Männer, der Vater Ferenc und seine Söhne Ferenc und András teilen sich die Arbeit im Betrieb. Um das wirtschaftliche Überleben, wie in den ersten 10 Jahren nach der Wende, müssen sie sich inzwischen keine Sorgen mehr machen. Vielmehr stehen inzwischen große Pläne an, weitere Umsatzquellen sollen erschlossen werden, u.a. ein 4-Sertne-Hotel mit Spitzenrestaurant, das bis 2011 fertig sein soll. Der Jahrgang 2007 brachte den ersten, inzwischen auch in Ungarn mächtig in Mode gekommenen Syrah.

Der Familie Takler zufolge ist trotz des Primarius der Bikavér ihr eigentlich wichtigster Wein. Neben Kékfrankos, der den Hauptanteil ausmacht, wanderten auch noch Cabernet Franc und Sauvignon, Merlot und – pflichtbewusster weise bei einem Szekszárder Bikavér auch Kadarka in die Flasche. Der Wein, so Takler András, soll ja nicht schwer, sondern in sich ausgewogen, ausgeglichen daher kommen, was ohnehin typisch für die Szekszárder ist. Die Flasche kostet rund 15,50 EUR (3.840 Ft), der Alkoholgehalt liegt bei 14% Vol.

Bikavér Reserve 2006

Takler, Bikavér Reserve 2006

Takler, Bikavér Reserve 2006

Dunkles Purpur. Sehr reife, gekochte dunkle Früchte, Spuren von Schokolade und Vanille, weiches, Takler bikaver reserve_2006 warmes Holz. Im Mund anfänglich recht kräftige, würzige Tannine, die sich nach längerem Belüften aber abschwächen. Eine angenehme Würze zieht sich durch, deutliche Röstaromen, warme Frucht in Gestalt von Zwetschgen und Sauerkirschen, filigran, etwas spitze Säuren, aber ist vielleicht auch der jugendlichen Frische zuzuschreiben. Gegen Ende mehr deutlich mehr Volumen, mittlerer bis
langer Abgang. Hat sicher noch Potential.

Anbaufläche: gut 50ha, davon 5 noch nicht bepflanzt
Lage/n: Leányvár (Sióagárd), Hidaspetre, Faluhegy, Felső-Cinka, Sztrázshegy, Görögszó, Decsi, (allesamt bei Szekszárd), Alsónána, Várdomb und Almástető
Adresse: Decsi-Szőlőhgy PL. 57, 7100 Szekszárd
Internet: www.takler.com

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Es wird noch richtig spannend. Szekszárd holt auf, dank mehr Frucht, mehr Finesse, sogar mehr Tiefe und: auch wenn die Rotweine aus Eger gemeinhin länger lagerfähig sind, scheint mir der Takler gegenüber dem Thummerer perspektivisch in drei Jahren besser da zu stehen.

Eger – Szekszárd   4:3

Start einer neuen Serie / Einleitung
Duell I: Bikavér 2005, Juhász Testvérek, Eger vs. Bikavér Válogatás 2006, Szt. Gaál, Szekszárd

Duell II: Szekszárdi Bikavér 2006, Domaine Gróf Zichy, Szekszárd vs. Egri Bikavér 2005, Bolyki János, Eger
Duell III: Bikavér 2005, Gál Tibor, Eger vs. Vesztergombi Bikavér 2005, Szekszárd
Duell IV: Bikavér 2003, Vincze Béla, Eger vs. Bikavér 2006, Sebestyén Csaba, Szekszárd
Duell V: Bikavér Bikavér Reserve 2006, Mészáros, Szekszárd vs. áldás 2006, St. Andrea, Eger

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