TWAS – Tokaj-Verkostung Teil V: Furmint Selecio 2006, Karádi és Berger;

Zum Abschluss noch drei Edelsüße – zwei schöne Repräsentaten, zwei Aszú, einmal modern und einmal Old School. Und ein Fehlschlag, vom mir bis dato nur vom Hörensagen bekannten Weingut Karádi és Berger, den ich mir gar nicht erklären kann.

Zur Einleitung. Teil I der Verkostung.
Teil II der Verkostung.
Teil III der Verkostung.

Teil IV der Verkostung.

Furmint Selecio 2006, Karádi és Berger, Olaszliszka

190 g/l Restzucker, 9% Vol. Alkohol. Im Grunde ein Aszú und doch keiner – und wie keiner, zum Glück. Ich
hatte bis zu diesem Zeitpunkt ja schon probiert, und alles war bis dahin qualitativ im Mittelfeld oder in der Oberklasse, teils mit Potential für die absolute Spitze. Aber nun das, ein Ausschlag nach unten. Goldgelb. Ein grünes Etwas in der Nase. Botrytistöne, auf vulgäre Weise Orangenkompott aufgedrängt, auch Anklänge von Apfelkuchen und Zwetschgen, aber halbgar,
völlig unrund daher kommen. Scheinbar kein Fehler, sondern so gemeint. Nee. Ich bin mal ganz gemein und sage: ein Glück, dass es lediglich 450 Flaschen
davon gibt.

Die Palandor dűlő bei Olaszliszka, eine Südlage am
unteren südwestlichen Teil des Előhegy, mit ausgesprochen steinigem Boden. Als „zweite Klasse“ eingestuft. Bis dato hat neben Karádi és Berger nur die Füleky Pince aus dieser Lage einen Lagenwein herausgebracht. Planador umfasst
insgesamt 10 ha, von denen Karádi és Berger 1,5 besitzen, 0,5 davon sind derzeit
unbepflanzt.

Cuvée Ilona 2003, Királyudvar, Tarcal

Benannt nach der Ehefrau des Besitzers; ein Edelsüßer aus 70% Furmint und 30% Hárslevelű. 190 g/l Restzucker, 11,5% Vol. Alkohol. Wunderschönes dunkles, satt glänzendes Goldgelb. Botrytis- und Petroltöne in der Nase, frische Litschis, und Aprikosen. In der Mundhöhle entpackt sich ein Korb voll überreifem Obst, Ananas, Banane, Litschi. Gut platzierte Süße. Sehr konzentriert, weich und harmonisch rund. Im langen Abgang feines Botrytis-Töne, Orangenkonfitüre, Kokos, süßer Ingwer und Quittengelée. Ein sehr schöner Dessertwein, bislang der beste in dieser Runde.

keine Angaben

5 puttonyos aszú 2000, Patricius, Tokaj

Ein Decanter Gold-Medaillenstick prangt auf der Flasche. Also achtgeben, was ich sage. 12,5%
Vol., 138 g/l Restzucker. Klassische Bernsteinfarbe. Sehr schöne Botrytis-Nase, Ankläge von Aprikosen, Erdbeeren und Schokolade. Weckt Assoziationen
mit Portwein. Viel Frucht, Aprikose, Orange und süßer Ingwer, auch Nougat. Langer Abgang, einmal mit Botrytistönen und Orangenschalen. Wirklich schöner, Aszú-Repräsenant zum Abschluss.

keine Angaben

Ich hätte u.a. auch noch von Degenfeld eine trockenen Furmint probieren können, Tokaj Pendits war auch noch da, Homonna Attila entgegen seiner Ankündigung nicht. Und die Weine von Kikelet hatte ich ja erst kürzlich direkt vor Ort verkosten dürfen.

Insgesamt war es eine gelungene, schöne Veranstaltung der Wine Artisan Society. Ich hatte mir vielleicht ein wenig mehr darunter vorgestellt, dass das Qualitäts-felöd nicht ganz so heterogen ausfallen würde. Aber das liegt schließlich am nicht-elitären Ansatz selbst, der ganz bewusst offen ist für alle. Klar unterstreichen möchte ich nochmals, dass TWAS nekanntlich erst am Anfang steht und man sicher noch viel positive, spannende Erfahrungen wird machen können.

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