bw_duell_kleinBeide sind ein Muss bei jeder Bikavér-Probe: Gál Tibor aus Eger und Vesztergombi Ferenc aus Szekszárd. Den einen trieb es hinaus in die weite Welt, ehe er in Südafrika bei einem Autounfall ums Leben kam. Der andere blieb zu Hause und lebt noch heute die Familientradition fort. Der eine war bis zuletzt umtriebig und kämpfte auf vielen Schauplätzen für die eine Reniassance und damit verbundene zwangsläufige Modernisierung des ungarischen Weinbaus. Der andere beschränkte

Bikavér-Duell: Vesztergombi vs. Gál Tibor

Bikavér-Duell: Vesztergombi vs. Gál Tibor

sich konsequent auf das, was er sich in  Zeiten des Sozialismus mühsam erkämpft hatte, sein Szekszárder Weingut.

GálBor – GIA, (Gál Tibor), Eger

Gál Tabor gehört zu den Namen, von denen man am ehesten außerhalb Ungarns mal gehört hat und der auch nach seinem Unfalltod 2005 als Marke fortlebt. Dazu tragen sein Sohn Tibor und der Chefwinzer Gromon Tamás wesentlich bei. Vor der Eröffnung der eigenen Kellerei im Jahre 1993 hatte Gál bereits im Ausland einige Erfahrung gesammelt – bei keinem geringerem als Marchese Nicolo Incisa. Zusammen mit ihm und Burkard Bovensiepen, dem Alpina-Besitzer, wurde das Unternehmen GIA gegründet, unter dessen Namen schon in den Neunzigern für damalige und auch heutige Verhältnisse erstaunlich viel Wein ins Ausland exportiert wurde. Auch nachdem 2002 der amerikanische Weinhändler Kobrand Corporation an die Stelle von Alpina trat, wurde die Vermarktung im Ausland weiter vorangetrieben. Gál Tibor selbst war da schon lange auch als Berater und Unternehmer in der Welt unterwegs, u.a. in Italien, Südafrika.

Gál Weine sollen zum einen moderne Repräsentanten der Eger-Region sein, unter ihnen auch der Bikavér,  zum anderen die Top-Weine, allesamt reinsortige Pinot Noir (Top-Weine: Síkhegy, Grőber, Pajados), die der Marke Gál, der Region aber auch Ungarn als Weinland zu neuer Reputation verhelfen soll. Gál Tibor hatte als erster begonnen, Pinot Noir in Ungarn anzupflanzen. Heutzutage trifft man die Rebe quasi im Portfolio eines jeden besseren Rotweinproduzenten an. Auch die andere Burgunder-Rebe, den Chardonnay, nahm er früh unter seine Fittiche. Die Ertragsbeschränkung liegt bei 5-7 t/ha.

Gál Tibor Bikavér 2005

Ein kilometerlanges Kellersystem, das als Labyrinth symbolisch die Etiketten ziert.

Ein kilometerlanges Kellersystem, das als Labyrinth symbolisch die Etiketten ziert.

Der Bikavér sollte von Beginn an einen neuen Stil beschreiben und mit den extrem imageschädigenden süßen rotfarbenen Ergüssen Egers aus Zeiten des Sozialismus brechen. Und das ist ihm auch gelungen, für viele waren und sind die Bikavér (und vor allem Pinot Noir) stilbildend. Das Ergebnis stammt aus fünf Rebsorten (Kékfrankos, Merlot, Cab. Sauvignon und Franc, Pinot Noir) und fünf Lagen (Síkhegy, Felső-Galagonyás, Pajados, Tornyos, Grőber). Nach 20-30 Tagen auf der Maische, werden die Sorten getrennt 15-16 Monate lang in kleinen Eichenfässern ausgebaut, dann nochmals 6 Monate gemeinsam. 11,20 EUR (2.670 Ft.) bei 12,5% Vol.

Braunrot im Glas, leicht durchsichtig. Grüne Paprika; Kirsche und Kräuter in der Nase. Am Gaumen Johannisbeerblätter und Lakritz, feuchtes Laub, schön adstringierend, ziemlich schlanker Körper und  ziemlich viel Holz, auch im mittleren Abgang, was unausgewogen alle anderen Eindrücke überlagert und das wird sich vermutlich auch nach etwas Lagern nicht mehr wirklich einstellen. Schade, hatte mir versprochen.

Banderole als Herkunftsnachweis: erinnert stark an die italienischen DOC und DOCG

Banderole als Herkunftsnachweis: erinnert stark an die italienischen DOC und DOCG

Anbaufläche: 51,5 ha, davon 40 ha eigene
Lage/n: Pajados (14 Hektar), Síkhegy (13 Hektar), Grőber (2,5 Hektar), Kocs (10 Hektar), Tornyos (4 Hektar), Szarkás (3 Hektar), Eged (1 Hektar), Áfrika (4 Hektar)
Adresse: Verőszala u. 32.; 3300 Eger
Tel: +36 36 43 63 83
Internet: www.galtibor.com

Vesztergombi Pincészet, Szekszárd

Und da soll noch einer kommen, und von Tradition reden. Seit dem 17. Jahrhundert beschäftigt sich die Familie Vesztergombi mit dem Weinbau. Davon zeugt auch das Familienwappen. Seit 1970, was aufgrund der Schwierigkeiten, mit denen man im Sozialismus zu kämpfen hatte auch eine äußerst seltene Kontinuität bedeutet. Interessanterweise sind es gerade Winzer in Szekszárd und Sopron, die auf eine solch lange Familientradition zurückblicken können. Und mehrheitlich geht das Treiben im Weinberg und -keller auf deutsche oder österreichische Wurzeln zurück.

Vesztergombi Ferenc, der heute zusammen mit seinem Sohn Csaba für das steht, was am Ende in Flaschen gelangt, ist vor allem der Sprung in die Gegenwart gelungen. Sie streben Weine an, die auch im Ausland gerne getrunken werden und dennoch von ihrem Szekszárder Charakter zu erzählen wissen. Der übliche Spagat, die oft zitierte moderne Interpretation des Terroir also, von dem man nichts mehr hören möchte, weil ihn jeder zu erzählen weiß.

Etwa die Hälfte der 20ha Anbaufläche ist mit 30-40 Jahre alte Reben bestückt, die andere mit 3-6 Jahre alten Neupflanzungen. Kékfrankos spielt die Hauptrolle, daneben ein wenig Kadarka, die Bordeaux-Sorten und Pinot Noir. Von weißen Rebsorten weit und breit keine Spur, mit Ausnahme der selten anzutreffenden, in den 1950ern entstandenen ungarischen
Ezerfűrtű. Flaggschiff ist aber das Turul Cuvée, ein Bordeaux-Verschnitt aus Cabernet Franc und Merlot.

Vesztergombi Bikavér 2005

Vesztergombi, Bikavér 2005

Vesztergombi, Bikavér 2005

Erst seit 1992 wird wieder Bikavér produziert und auch nur dann, wenn die Qualität der Trauben gut genug ist. Im Falle von Vesztergombi bedeutet das ein Cuvée aus Kékfrankos, Cabernet Sauvignon, Merlot und Kadarka. Zwar wird darauf hingewiesen, dass gerade der Kadarka den bikavér ausmacht. Aber angesichts seiner bedeutend kräftigeren Nebenbuhler und dem geringen Anteil…?  Er wird 12 Monate lang in großen Eichenfässern (5-10.000 l) ausgebaut. 13% Vol. für 3.090 Ft. bzw. 12,40 EUR.

Etwas trüber im Glas, dafür aber dichter. Purpurn, mit leicht bräunlichen Seitenrädern. Warme Fruchtaromen in der Nase, die fast an Amaretto erinnern: Kirsche, Himbeere, braune Schokolade. Und auch am Gaumen fast dieselben Eindrücke: Schokolade, schwarze Kirschen, feiner Pfeffer. Auch dieser Kerl ist wenig schwach auf der Brust. Schade, ihm hätte ein Tanningerüst gut getan, aber das sollte ja bewusst nicht sein. Mittlerer Abgang.

Anbaufläche: 20ha
Lage/n: Leányvár (6,2 ha), Hidaspetre (3,3 ha), Kerékhegy (5,8 ha), Porkoláb völgy (0,8 ha), Várdomb (4 ha)
Adresse: 7100 Szekszárd, Borkút u. 3.
Tel: +36 74 511-846
Internet: www.vesztergombi.hu

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Eigentlich waren beide recht enttäuschend, insbesondere von Gál Tibor hätte ich mehr erwartet. Am Ende reicht es dennoch, Vesztergombi zu schlagen. Wobei ich klar sagen muss, dass es sich hierbei am ehesten um eine subjektive Entscheidung handelt.

Eger – Szekszárd   2:1

Start einer neuen Serie / Einleitung
Duell I: Bikavér 2005, Juhász Testvérek, Eger vs. Bikavér Válogatás 2006, Szt. Gaál, Szekszárd

Duell II: Szekszárdi Bikavér 2006, Domaine Gróf Zichy, Szekszárd vs. Egri Bikavér 2005, Bolyki János, Eger

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