Nunmehr also Rotweine. Dabei Konzentration auf drei Winzer, Luka Enikő aus Sopron und aus Villány Malatinszky und Gere Attila. Und auch da nur Stichproben, vor allem bei den besten Villányer sehe ich zunehmend das Problem, dass sie schlichtweg überteuert sind. Oder soll man es inzwischen als selbstverständlich hinnehmen, dass man zwischen 40 und 60 Euro hinblättern muss, um eine Flasche „Super-Villányer“ sein eigen zu nennen? Schließlich bekommt sind viele Gigondas preiswerter, kann man problemlos die oftmals auch überteuerten Baroli bekommen… Aber zu dieser Schräglage ein andermal mehr.
Luka Enikő (der Vorname kommt im Ungarischen stets nach dem Familiennamen): weiblich, ledig (?), jung – braucht nicht mehr nach einer Erfolgsformel und eigenem Stil suchen. Denn Luka ist bereits erfolgreich. Verdammt
erfolgreich. Vor allem angesichts der Tatsache, dass sie nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters im Jahre 2002 sich quasi über Nacht die Verantwortung für den Familienbetrieb übernehmen musste. Inzwischen heimst sie einen Preis nach dem anderen ein. Dabei konzentriert sie sich ganz und gar auf Rotwein-Sorten, Pinot Noir, Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt. das klappt auch deshalb so gut, weil sich bis dato alles auf gerade einmal drei Hektar abspielt. Von ihrem Kollegen am Stand habe ich mich kurzerhand zur Zweigelt-Verkostung überreden lassen, obwohl ich eigentlich gar kein Zweigelt-Fan bin. Und habe es nicht bereut…
Es ist naheliegend, dass man sich mit Zweigelt auseinandersetzt, wenn man so nahe am Burgenland bzw. der ungarischen Seite des Neusiedler Sees Weinbau betreibt. Umso erstaunlicher, wie einerseits sortentypisch, andererseits doch so eigenständig das Endergebnis in diesem Fall ausfällt. Zwetschgen und Vanille in der Nase, feine, frische Sauerkirsche, filigrane Tannine, schön rund, angenehm warmer Abgang. insgesamt für mich auf erstaunliche Weise nicht dieses abgeschmackte (Entschuldigung für die unsachliche Bemerkung) Aroma. Ganz klar bester Zweigelt ever! (das kann ich deshalb sagen, weil ich zugegebenermaßen schon allzu häufig einen weiten Bogen um diese Rebe gemacht habe. wird sich, muss sich scheinbar ändern)
Elf Monaten Aufenthalt in Barriques. Zimt und Pfefferminz in der Nase, Anflüge von Marzipan, voll und rund und dennoch gleichzeitig frisch und fruchtig, sanft adstringierend. Aber schön. Luka spricht von dem Versuch, Weine mit männlichem Charakter und weibliche Leichtigkeit zu machen. Das spiegelt der Merlot gut wider.
Internet: www.lukawine.hu
Nach dem Abstecher nach Sopron, der Sprung in den äußersten Süden, in die Rotweinregion Ungarns: Villány.
Mein allererster Blog-Eintrag befasste sich mit dem 1998er Cabernoir von Malatinszky. Der hatte seine besten Tage hinter sich, weshalb ich schon damals versprach, mir fairerweise beizeiten einen aktuellen anzusehen. Der ehemalige Sommelier von Ungarns bekanntestem Feinschmecker-Restaurant, dem Gundel in Budapest, hat sich seit 1997 auf die andere Seite, auf die der Weinmacher begeben. Dabei setzte er für ungarische Verhältnisse von Beginn an Standards in Sachen Vermarktung und konsequenter Planung des Business, im Grunde lediglich eine moderne Interpretation des Winzerdaseins. Seine Weine sind sehr konzentriert, im internationalen Stil ausgebaut.
Ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Pinot Noir, wobei letzterer die anderen etwas bändigen soll. Dunkles Violett. Erdbeere, recht stark adstringierend, wenngleich noch jung, so hat er doch noch etwas viel Holz. Überreife schwarze Kirschen und Brombeeren. Braucht noch seine Zeit, vielleicht 3-4 Jahre (aber bloß nicht zu spät trinken!)
„Szüretlen“ meint ungefiltert. Tiefdunkles rubinrot im Glas. In der Nase alkoholisch, an Portwein erinnernd. Grüne
Paprika. Leider fehlt die volle Fruchtigkeit. Auch er braucht sicher noch Zeit, um sich zu entwickeln, wobei er immerhin schon fünf Jahre auf dem Buckel hat. In beiden Fällen hat man ein wenig zu brachial Holz eingesetzt und der Frucht wenig Chancen gelassen, wie ich finde. Schade. Für diesen Wein soll man satte 15.000 HUF, also etwas mehr als 60 EUR liegen lassen? Das halte ich auf jeden Fall für übertrieben.
Internet: www.malatinszky.hu
Was sich bereits bei Malatinszky abgezeichnet hat, wird nun meiner gefühlten Temperatur zufolge immer schlimmer: es ist schlichtweg kalt, zu kalt geworden, um noch ernsthaft draußen Weine, insbesondere Rotweine verkosten zu können. Geschätzte 13 Grad verderben einem nicht nur den Spaß, sondern auch die Geruchseindrücke leidlich. Schade, beziehungsweise schlichtweg ungerecht. Und ausgerechnet jetzt noch zu Gere Attila, einem der wohl auch international renommiertesten ungarischen Winzer.
„Válogatás“ meint Selektion. Syrah kommt in Ungarn auf, wird bzw. ist schon ein Trend. Einer, der spannend ist. Für mich persönlich ganz besonders, weil Syrah zu meinen Lieblingsrebsorten zählt. Neun Monate in Barrique. Klassische, wenn auch nicht allzu stark ausgeprägte Syrah-Nase (siehe Vorab-Kommentar Umgebungs- und Weintemperatur im Absatz oben). Endlich auch mal Frucht, schwarze Johannisbeeren, leichte Schokonoten. Schön adstringierend, weicher, langer Abgang. Schön.
In der Nase einmal mehr Paprika, am Gaumen noch mehr Schokolade als der Syrah, Bitterschokolade, ohne Kanten, ohne Ecken, filigran eben, feiner, dezenter Holzeinsatz, braucht noch, aber zeigt sein Potential, ohne zu verschrecken.
Internet: www.gere.hu
_____________________________________
Sehr kurzes Resümee der positiven Eindrücke: absolut herausragend, der Istenhegyi Furmint von Árvay; die größte Überraschung, der Zweigelt von Luka, den Erwartungen letztlich schon entsprochen: Gere Attila. Es war gut zu kommen, das Weinfestival ist definitiv empfehlenswert für alle, die sich für ungarischen Wein interessieren. Meine Wenigkeit wird nächstes Jahr mehr Zeit mitbringen, unbedingt.
Tags: Cabernet Franc · Cabernet Sauvignon · Cabernoir · Fertőrákos · Gere Attila · Luka Enikő · Luka Pincészet · Malatinszky Kúria · Merlot · Pinot Noir · Syrah Válogatás · Villány-Siklós · Zweigelt
[...] dem der Zweigelt etwas kritisch gegenüber gestellt ist und stets mehr Überzeugungsarbeit verlangt, im letzten Jahr am selben Ort der Zweigelt von Luka Enikő ausgesprochen gut gefallen hat, war ich auf den Folgejahrgang [...]